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Freitag, 16. Mai 2025

Dornenketten

Dort, wo die Steine schlafen
Wo das Salz die Erde tränkt
Und wo Verwesung Bäume nährt
Dort hast du dich hinverzehrt

Dort, wo das Licht verdunkelt
Ohne Wolken am Firmament
Und wo alle Hoffnung im Loch versinkt
Dort hast du dich hingesehnt

Dort, wo die Sterne verblassen
Wo die Zeit dich zersetzt
Und wo nasser Dreck dich erstickt
Dort hast du mich verlassen

Ein kleines Leben ist vergangen
Seit du dich fort begabst
Seit du dein Versprechen brachst
Seit du dort im Dunkeln lagst

Nichts als dein Echo hallt in mir
Dornige Ketten an einer besseren Zeit
Ich kann sie nicht zerbrechen
Während sie mich täglich zerstechen

Und so sitze ich blutend hier bei dir
Schreibe mit meinen Tränen auf Papier
Beichte dir meinen Kummer
Doch du währst in stillem Schlummer

Ein Leben hast du genommen
Aber zehn zerstört
Und meine Schreie entronnen
Ungehört

Bist du glücklich dort, wo du nun bist?
Geht es dir besser, tief unten zerdrückt?
Mich ließt du oben zurück
Zerstört, gebrochen, verrückt

Dort, wo mein Blick dich das letzte Mal barg
Kalt, regungslos und verblasst
Dort hast du dich hingesehnt
Dort, in deinen Sarg.


- Lupus Terre

Donnerstag, 6. August 2015

Neue Rosen

Die Seele gefangen in fremder Haut
Schmerz versteckt vom lächelnden Gesicht
Die Sehnsucht der Angst ins Antlitz schaut
Wille gefriert Schicht um Schicht

Klanglos, farblos die Unsichtbare schneidet
das Fleisch - verfault, vermodert, verdirbt
Der neue Tag das Gefühl ausweidet
Still und heimlich das Menschlein stirbt

Das Messer - Werkzeug morbider Kunst
- malt rote Blumen in die Glieder
Alte Narben erneut verhunzt
Wehmut wimmert Trauerlieder

Qualvoll sprengt das innere Geschrei
die letzten Fundamente, das letzte Fort
Zerdrückend schwer, doch nie vorbei
Verbrennen Sakramente mit einem Wort

Krank umklammert, nach Erlösung verzehrt
- bekam ein neues Herz geschenkt
Wie ein Fremdkörper abgestoßen und abgewehrt
- von Reue durchtränkt

Jede Nacht Leib und Liebe schänden
Keine Freiheit, keine Flucht
Fingernägel in zerkratzten Wänden
Verbleibend in Agonie und Todsucht

Nur Gesichter im Gedächtnis stehen
wie Schemen gebadet in Neurosen
vergeblich nach Vergebung flehen
Einsam wachsen jene Kirchhofrosen


~ Lupus Terre



Sonntag, 17. Mai 2015

Unvergessen


Ich werde es nicht vergessen,
dein Gesicht und deine Taten
Und ich werde nicht vergessen,
was du mir alles gabst

Ob schwarze Wolken den Himmel verdecken,
oder die Sonne den Tag verkleidet
Irgendwo wird sich immer dein Bild
in den Schatten verstecken

Ich werde es nicht vergessen,
deinen Duft und deine Farben
Und ich werde nicht vergessen,
wie du mir alles nahmst

Du schenktest mir Freude
und am Ende Trauer
Zeigtest mir das Feuer
und hast mich verbrannt

Doch ich werde nicht vergessen,
wie wir zusammen lachten
Und ich werde nicht vergessen,
wie wir die Welt betrachten

Egal, wo ich mich auch befinde
Ich spüre deine Gegenwart tief in mir
Ob beim Klang des Klaviers,
oder beim Gang durch Städe

Doch ich werde nicht vergessen,
wie du mich verlassen hast
Und ich werde nicht vergessen,
wie du mich betrogen hast

Es gibt Tage, trocken, trüb und ohne Sinn
an denen ich vergesse, wer ich bin
Dann gibt es Nächte, nass, schwarz und dennoch klar
in denen ich vergesse, wer ich war

Stehe ich wieder an jener Brücke,
an der wir uns einst trafen,
und blicke ich in das Schwarz hinein,
so will ich springen, doch ich kann nicht

Stattdessen suhle ich mich im Dreck
Füttere meine Wunden mit alten Wünschen
Sehne mich fort - will einfach weg
Will vergessen, will nicht mehr wissen

Doch meine Gedanken explodieren,
rasen, jagen, stürzen, kriechen,
und steigen letztlich wieder auf
Nur, um mich mit Schuld zu beladen
mit meinem Versagen
mit deinem Betrug
Nur, um wieder daran zu denken,
was ich versäumt habe
was du verbrochen hast
Nur, um mich wieder zu quälen
mit den Momenten, in denen ich dich verlor
mit den Momenten, in denen du mich aufgabst

Und ich versuche
Und ich kämpfe
Und ich mache einfach stur weiter
Als hätt's dich nie gegeben
Als hätt' ich nichts verloren
Doch die Wahrheit ist,
ich kann das schon längst nicht mehr

Kann kaum klar denken,
mich nicht ablenken
Kann es noch immer nicht fassen
fange an mich selbst zu hassen
Kann nicht mehr
Will nicht mehr
Es hat kein Ende

Ich ertrinke in der Flut der Erinnerung
Hänge am Galgen der Vergangenheit
Sieche ohne Grund zu leben vor mich hin
Werde zur Beute meiner Selbst

Ich versuche alleine diese Last zu stemmen,
doch es ist als würden kalte, scharfe Klauen
mich von innen zerreissen
und alles, was mich ausmacht, zerfetzen

Ich versuche die Fassung zu wahren
Mühsam ein Loch nach dem anderen zu stopfen
Doch irgendwo brechen wieder Narben
Und mein Geist löst sich in ihnen auf

Doch ich werde nicht vergessen,
wie wir einst die Tage bestritten
Und ich werde nicht vergessen,
wie wir gemeinsam litten

Ich werde nicht vergessen,
was du mich alles lehrtest
Und ich werde nicht vergessen,
wie du dann plötzlich von uns gingst

Ich werde dich nicht vergessen
Ich werde es nie vergessen
Ich werde nicht vergessen
All das bleibt stetig fort nur eines:
Unvergessen.



~ Lupus Terre



Dienstag, 30. Dezember 2014

Zweitgeflüster


Der Zweifel plagt wie eine Ratte,
frisst sich kriechend durch Dein Gehirn
Und als ob sie kein Leben hatte,
nagt in Dir auch ihr Gewürm

Kreischend kauerst Du im Dunkeln
Ein dumpfer Schlag verdeckt das Licht
Rote Tränen lassen nur vermuten,
dass in Dir noch etwas and'res sticht

Es ist egal, was ich versuche
Dein Geist und Deine Seele sind entzweit
Und egal, wie viel ich für Dich blute
Dein Herz ist dennoch nie bereit
Hör', wie es schreit,
aus seinen Ketten sich befreit:
Ich liebe Dich nicht!

Nicht mit Engelsschwingen fliegst Du
Doch mit Geröll dem Untergang entgegen
Eine Spirale, die Dich tiefer führt,
tiefer als alles, was ich sehe

Keine Luft in Deiner Kammer
Du schluckst den Staub von Deinen Händen
Im Zwang befangen, ertrunken im Kummer
Deinen Körper wirst Du weiter schänden

Es ist egal, was ich versuche
Dein Geist und Deine Seele sind entzweit
Und egal, wie viel ich für Dich blute
Dein Herz ist dennoch nie bereit
Hör', wie es schreit,
aus seinen Ketten sich befreit:
Ich liebe Dich nicht!

Gedanken kreisen in der Totenstadt umher
Zerren Dich durch schlaflose Nächte, ohne Ziel
Treibst den Wahnsinn, entgegen jeder Wehr
Hämisch lachend spielt das Tier in Dir sein Spiel

Das Genick willst Du Dir brechen
Wie aus Glas zerbrechen, zu tausend Scherben
Willst nicht mehr reden, nie wieder sprechen
Und eigentlich doch nur noch sterben

Es ist egal, was ich versuche
Dein Geist und Deine Seele sind entzweit
Und egal, wie viel ich für Dich blute
Dein Herz ist dennoch nie bereit
Hör', wie es schreit,
aus seinen Ketten sich befreit:
Ich liebe Dich nicht!

Aus weißer Milch war Deine Maske
Das Feuer hat sie weggebrannt
Der Schmerz, er brennt, lässt Dir niemals Frieden
Ein blutender Dorn, der Dein Bewusstsein hemmt

Wie ein Metallgriff, Deine Kehle würgend
In unterdrückter Angst getaucht, für die Du nun zahlst
Zu viele Emotionen, sind ja doch so bürdend
Es ist der Hass, der deine Tränen salzt

Es ist egal, was ich auch suche
Deine Seele ist im Feuer längst verbrannt
Und egal, was ich auch tue
Dein Herz zerfließt wie kalter Sand
Hör', wie es fleht,
aus seiner Asche aufersteht,
was die Welt nicht mehr versteht,
und wie ohne Sinne wild entflammt,
so auch ohne Worte unverkannt:
Ich liebe dich.



by
Lupus Terre



Sonntag, 2. Februar 2014

Septikämie


das licht zerbricht
an meinem schwarzen auge
verteilt sich und lässt stellen aus
sodass nur die schatten bleiben
ein bild der wehmut malen sie
und spielen mit der erinnerung
welche mich einst warm umfloss
und nun an wüstenstein zerschellt

und ich ziehe mich an einen ort zurück
an dem mich niemand findet
und ich baue mir ein schloss der hoffnung
mit tränen aus stein

gefährlich lacht etwas in meinem geist
aus einer tiefe fern heraus
aus einem bodenlosen schwarzen loch
schimmert nun eine fackel auf
und das feuer spricht zu mir
es dringt in mein gehör hinein
und es bohrt unablässig weiter
bis es in meinem herzen ist

und ich ziehe mich an einen ort zurück
fern von allen welten
und baue mir ein dorf der freude
aus leeren särgen

die gewalt wie ein blitz durch den himmel kracht
verwüstet gedanken und zerstört mit wahnsinn
was ich doch einst geliebt hab
aber doch nicht halten konnte
was ich doch einst geliebt hab
aber doch nicht schützen konnte
was ich doch einst geliebt hab
aber doch nicht lieben konnte

und ich ziehe mich an einen ort zurück
der schon längst vergessen war
und baue mir ein haus der träume
in das ich doch nie ziehen werde

bloß ein funken ein bedauern
in der glut der sonne ist
doch sie strahlt ewig weiter
während mich das dunkel frisst
und die seele schreit nicht
sie will kalt verbrennen
wie verschollen zwischen spiegelwelten
finde ich sie nicht mehr wieder

und ich ziehe mich an einen ort zurück
der bereits vernichtet wird
und baue mir einen turm der kraft
für einen funken von bedauern

wo stetig fort der tote hunger ruft
verlangt all die gier nun ihren preis
schmachtet nach dem glanz der illusionen
und breitet verdreckte klauen aus
das blut tropft aus meinem mund
nie begehrt und nur verloren
wird mir etwas noch genommen
das ich als einziges hab bekommen

so ziehe ich mich an einen ort zurück
versteckt und unerreichbar
und baue mir einen steg des lichts
das ich nicht mehr erreichen werde


by
Lupus Terre


Donnerstag, 21. November 2013

Dornen und Tränen


Du fühlst dich wie ein Findelkind
ausgesetzt, allein
Ungewollt und ausgestoßen
trägst du mit dir die Pein

Und als ob das nicht genug wär'
Und dein Leben nicht verflucht wär'
Bist du tief in dir verletzlich
und dein Herz schlägt plötzlich in

Dornen und Tränen
warten auf dich
Dornen und Tränen
regnen auf dich

Und wo früher ein Gefühl war
ist nun nur noch ein Loch
Und wo du einmal zuhaus' warst
bist du nur noch verhasst

Doch wo früher mal dein Herz war,
schlägt nun nichts mehr.

Angeekelt und ausgelacht
quälst du dich durch die Zeit
Blaugeschlagen, fast umgebracht
bekommst du nie Mitleid

Und als ob das nicht genug wär'
Und dein Leben nicht verflucht wär'
Bist du getaucht in Schatten

und badest dich in

Dornen und Tränen

warten auf dich
Dornen und Tränen
regnen auf dich

Und wo früher einst ein Freund war
bleibt dir nur noch die Erinnerung
Und wo du einmal ein Licht sahst
brennst du nun im Höllenfeuer

Doch wo früher mal dein Herz war,
schlägt nun nichts mehr.

Ausgebremst von deiner Wut
bleibst du am Boden liegen
Aufgewühlt und voller Leid
willst du dich nicht mehr lieben

Und als ob das nicht genug wär'
Und dein Leben nicht verflucht wär'
Treten alle auf dich ein
und werfen auf dich

Dornen und Tränen
warten auf dich
Dornen und Tränen
regnen auf dich

Und wo früher mal dein Mut war
findest du nur noch Asche
Und wo du einst aufrecht standest
verrotest du am Boden

Doch das, was einst dein Herz war,
schlägt nun niemals mehr.


by
Lupus Terre
(DLNT)



Sonntag, 31. März 2013

Leere Hüllen

Es ist tiefe Nacht. Alles um dich herum liegt in Schatten. Keine Beweung, kein Atem, kein Leben. Alles schläft. Hält sich in einer Welt auf, die der diesen weit entfernt ist.
Salzwasser tropft auf den Boden.
Es ist eine dieser Nächte.
Eine dieser Nächte, in denen du nicht schlafen kannst. In denen du stundenlang wachliegst, Gedanken in dir strömen, wie zu keinem anderen Zeitpunkt des Tages.
Vor allem Gedanken an die Vergangenheit, welche du auf deine Gegenwart zu prägen versuchst doch nichts anderes erschaffst als leere Hüllen.

Leere Hüllen mit Gesichtern der Vergangenheit. Vergangenen Weggefährten, aber auch Zeugen vertaner Chancen. Sodass nichts dir bleibt außer der bitter salzige Geschmack deiner Tränen auf deiner trockenen Zunge.
In jeder dieser Nächte, welche dich heimsuchen wie eine chronische Krankheit und dich so quälen, als würden sie irgendeinem sadistischen Beobachter größte Freude bereiten, fragst du dich, warum du überhaupt noch weinen kannst, während du deinen heißen Atem, welcher der Versuch eines unterdrückten Schreis ist, im Kissen erstickst.
In jeder dieser Nächte hast du das Gefühl, dass sich dein Innerstes so sehr vor dem Schmerz, den du empfindest, verkrampft, dass es glatt dein Herz zerquetschen würde, gefolgt von deinen Lungen.
In jeder dieser Nächte versinkst du in den Schatten der Nacht, verkriechst dich in einer Ecke deines Zimmers, in der Hoffnung du könntest dich auf diese Weise von der Einsamkeit erretten, welche du seit jenen Ereignissen jeden Tag durchlebst.
Zu keinem anderen Zeitpunkt als in jenem, als in jenen Nächten, fühlst du dich dermaßen einsam und von der Welt verlassen. Du denkst, dass niemand dich versteht, dass niemand deinen Schmerz nachempfinden kann, dass es niemanden gibt, der mit dir jeden dieser Momente durchhält.
Dann versuchst du dich dadurch zu beruhigen, dass du an sich doch gar nicht einsam bist, dass du doch gute Freunde und Familienmitglieder hast, die in deiner Nähe sind, die jederzeit für dich da wären, würdest du ihnen etwas sagen. Aber dann merkst du, dass auch sie nur leere Hüllen sind.
Die "neuen", oder auch alten, besten Freunde, die du dir ernannt hast, mögen vielleicht gute Menschen sein und für dich da sein, aber auch sie sind nur leere Hüllen. Denn selbst, wenn sie den selben Schmerz empfinden können, wie du, werden sie dich eher behandeln wie einen kranken Patienten, ein krankes Kind, das flott geheilt werden muss. Sie werden froh sein, wenn sie es hinter sich gebracht haben, aber du weißt, dass es nur ein temporärer Effekt ist. Und irgendwann, nach schier zahllosen Gesprächen mit deinen Freunden, wirst du merken, dass einige denken, dass du es übertreiben würdest, und hoffen auf den Tag, an dem das alles vorbei ist, damit ihr euer gemeinsames Leben glücklicher leben könnt, als es bisher aufgrund der Trübung möglich ist.
Du weißt es, weil du es dir selbst nicht selten wünschst.
Du wünschst dir so sehr, endlich alles hinter dir lassen zu können und seelenruhig weiterleben zu können, dass du dich förmlich in eine neue Gegenwart zwingst, in der du seelenruhig weiterlebst.
Aber in Nächten wie diesen, merkst du, dass dies bloß behelfsmäßige morbide Strukturen sind, die nur vom eigentlichen Problem ablenken, auch wenn sie temporär dazu führen mögen dir ein besseres Befinden zu ermöglichen.
Du merkst, dass es leere Hüllen sind. Du hast dir Inhalt auf sie eingebildet, doch diesen erkennst du als nichtig an, wenn du die große unendliche Einsamkeit deines einzigartigen Schmerzes spürst.
Jede Veränderung in deinem Leben, schafft es nicht die Vergangenheit zu verwischen. Alles, was du tust, was du dir an neuen Dingen beschaffst, oder was du veränderst, sind nur Zeugnisse des verzweifelten Versuches ein schwaches Konstrukt aufrecht zu erhalten, das seit jenen Ereignissen dazu verdammt war einzustürzen.
Aber dir will nicht einfallen, was du noch tun könntest.
Du wirst in diese Welt geboren, mit nichts in den Händen, und versuchst dir etwas großartiges aufzubauen, worin du deinen Geist unterbringen kannst. Dort willst du sicher sein. Dort willst du furchtlos sein. Dort willst du selbstbewusst sein. Dort willst du wohl behütet und umsorgt sein. Dort willst du dir das Paradies schaffen, das aufgrund des Leidens dieser Welt zwingend notwendig zu sein scheint.
Doch, wenn du an deiner eigenen Haut anfängst zu spüren, wie viel von deinen bedürftigen Versuchen, jenes Konstrukt zu verwirklichen, zerfällt, fragst du dich, ob es vielleicht doch nicht geschehen soll.
Jenen Ort, den du dir zu erbauen versucht, willst du mit Inhalt füllen.
Und du weißt, dass alles zerfallen wird.
Und wenn du geboren wirst, weißt du, dass du sterben musst.
Und du weißt, dass nur leere Hüllen dich umgeben.
Folglich ist auch dieser Ort nur eine Hülle, ohne Inhalt.
In diesen Nächten wird dir das besonders deutlich und vergrößert dein Leid.

Aus dieser elendigen Einsamkeit heraus gierst du nach jemandem, der wirklich alles mit dir teilen kann. Du gierst nach jemandem, der mit dir weinen kann, mit dir lachen kann, mit dir denken kann, mit dir lieben und leben kann. 
Unabhängig davon, ob du diesen jemand findest, oder nicht, hoffst du:
Irgendwo auf dieser Welt, wird immer jemand um dich weinen können.
Egal welche Entscheidungen du treffen magst, es wird immer jemanden geben, die, oder der, mit dir fühlt und mit dir verbunden ist und dich in absolut jeder Einzelheit vollstens verstehen kann.

Aber das reicht dir nicht. Denn die Hoffnung, dass diese hypothetische Person existiert, schafft es nicht, die leeren Hüllen um dich herum, die du in diesen kalten bitteren Nächten besonders deutlich als Einsamkeit wahrnimmst, mit dem Inhalt zu füllen, den du in diese Hüllen andauernd zu füllen versuchst, um dir deinen Schmerz zu lindern und dir die Einsamkeit zu nehmen. Und vielleicht ist diese Person auch bloß eine weitere von dir idealisierte leere Hülle, von der du dir die größte Erlösung erhoffst. Denn so viele Dinge hast du dir schon konstruiert, um dir alles leichter zu machen. Und nichts scheint zu helfen, nicht einmal die Zeit.

So weinst du weiter bittere Tränen auf den Boden, erstickst deine Schreie im Kissen, verfluchst die Schatten deiner Vergangenheit, und klammerst dich an leeren Hüllen fest.


by
Lupus Terre
(DLNT)



Freitag, 18. Januar 2013

Tränenschlaf

In meinen kalten Adern
fließen Tränen.
Durch meine toten Venen
pulsiert nichts mehr.

Ich bin allein hier unten
in meiner Seele.
Das Licht ist ganz verschwunden
im tiefen Meer.

Die Wunden bluten nicht
sie weinen.
So spüre ich kein Leben
nur den Tod.

Und so schlaf ich ein
in der Finsternis
Bau ich mir ein Heim
und schlafe ein.

Die Tränen salzig zart
sie vergießen
Über meinen weißen Lippen
zu zerfließen.

Ich schlafe weinend ein
von ihnen verlassen.
Und niemand kommt zu mir herein
um mich zu retten.

Niemand vermag zu fühlen
was es bedeutet
Ist ein großer Schmerz
für mich allein.

Und so schlaf ich ein
in der Finsternis
Bau ich mir ein Heim
und schlafe ein.

Sie wandeln mit der Zeit
an mir vorüber.
Nur in den dunklen Räumen
liegt das Gedächtnis.

Rosenblüten blättern
von den Wänden
Hinunter in das tiefe Loch
zu meinen Händen.

Versinke in der tiefen Asche
der Brut der Glut.
Verdammt vergessen verschwunden
schrei ich ins Nichts.

Und so schrei ich auf
in der Finsternis
Blick ich in ihr Gesicht
und sehe nichts.

Und dann schlaf ich ein
im schwarzen Nichts
Weine heimlich still
weil ich's nicht will.

Weil ich's nicht will.



by
Lupus Terre
(DLNT)



Freitag, 7. Dezember 2012

Laudatio ad Pater Waleri


Waleri Iwanowitsch N.: Vater, Bruder, Ehemann, Opa, Cousin, Onkel, Freund, Kollege.
Es gibt viele Bezeichnungen für diesen einen besonderen Menschen, von dem wir heute leider schmerzlich Abschied nehmen müssen.
Wir alle, die wir heute hier sind, sei es Familienmitglied, oder Freund, haben ihn als den Menschen, der er für uns war, geschätzt und geliebt.
Wir alle haben einen Teil unserer Zeit mit ihm verbringen dürfen und auf diese Weise seine Herzenswärme, seine Güte und seine Freundschaftlichkeit in uns aufnehmen können.
Wir alle haben wertvolle Erinnerungen von ihm, die wir nun festhalten müssen, damit wir ihn und unsere gemeinsame Zeit niemals vergessen.


Der Schmerz, der uns alle dadurch trifft, dass wir nun nie wieder unserer Zeit mit ihm teilen können, lässt sich nicht einmal ansatzweise angemessen mit Worten beschreiben. Weswegen es auch schwer fällt zu begreifen, was geschehen ist. Weswegen es auch schwer fällt in einer Realität zu leben, in der er nicht vorhanden ist. Weswegen es auch schwer fällt Abschied zu nehmen.
In einem Netz waren wir alle miteinander verbunden, dessen Basis Waleri war. Nun ist diese Basis verschwunden und geblieben ist ein unsäglich großes Loch, welches durch nichts zu füllen ist. Dieser tragische Verlust hat in uns alle ein solches Loch gerissen und es wird viel Zeit brauchen, bis diese Wunden vernarben und wir Frieden schließen können. Aber wir müssen Mut haben und Stärke beweisen, damit wir diese Zeit überstehen. Denn er hätte es sicher nicht gewollt, dass wir daran zugrunde gehen.
 

Für mich war Waleri mein Vater, ist mein Vater und wird immer mein Vater bleiben. Er war ein liebevoller Vater, der sich größte Mühe gab, damit es seinen Kindern gut geht. Seit meiner Geburt war er immer da, war immer um mich herum und es tat gut zu wissen einen solchen Vater zu haben. Umso härter ist es nun damit leben lernen zu müssen ihn nicht mehr um mich herum zu haben. 
Wir haben wundervolle Zeiten miteinander verbracht. Zeiten, die ich niemals missen wollen würde. Sicher haben wir uns auch einige Male gestritten, aber das gehört ebenso dazu und ist auch eine Erfahrung, auf die ich nicht verzichten will.
Mein Vater war ein guter Mann und er wollte stets, dass alle um ihn herum glücklich sind. Er war durch und durch ein Familienmensch. Alle Krisen haben wir gemeinsam durchgestanden, alle Probleme gemeinsam als Familie bewältigt. Und ich bin dankbar dafür. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit ihm verbringen konnte, dankbar dafür, dass er mein Vater ist.
 

Mir war zwar – wenn auch widerwillig - bewusst, dass eines Tages der Zeitpunkt kommen würde, an dem ich da stehen würde, wo ich jetzt hier und heute stehe, den Verlust meines Vaters zu bewältigen hätte und eine Rede wie diese halten würde, aber ich hätte niemals erwartet, dass es so früh geschehen würde. Aber so ist der Lauf des Lebens nun mal. Es trifft einen immer genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Man kann sich niemals richtig auf so etwas vorbereiten. Man kann niemals die richtigen Worte finden und erst recht ist es niemals einfach so einen Verlust zu verarbeiten. Aber es passiert leider und es ist wichtig, dass man damit zurecht kommt und daran nicht zerbricht.

Mein Vater ist 71 Jahre alt geworden und hat in seinem Leben viel erlebt. Er hat Kriegszeiten überstanden, Hunger und Krankheit überlebt, den Verlust enger Angehöriger verkraften müssen, aber auch viel Glück erfahren. Waleri hat vier Nachkommen in diese Welt gesetzt. Eine Tochter und drei Söhne. Zwei seiner Kinder haben sogar selbst schon Familien gegründet und ihm Enkel geschenkt. Sein jüngster Sohn, der Richard-Elijas, ist sechs Jahre alt. Ich erinnere mich noch gut, wie überglücklich mein Vater bei der Geburt meines Bruders war. Die Geburten seiner Kinder zählen wohl mit Abstand zu den besten Momenten, die er erlebt hatte.
Aber nun hat er uns verlassen. Und seine Kinder bleiben ohne Vater zurück. Auch seine Ehefrau – meine Mutter – ist geblieben und blickt schmerzlich auf eine Ehe von 22 Jahren zurück. Sie waren sich treu ergeben bis zum Schluss.
Waleri war aber nicht nur ein liebevoller Vater und ein geliebter Ehemann, sondern auch ein geschätzter Bruder. Er hat drei Schwestern, welche mit ihm aufgewachsen sind, viel mit ihm geteilt haben und ihn auch, so wie wir alle, sehr vermissen werden.
 

Waleri Iwanowitsch hat viele Jahre lang den Lehrerberuf ausgeübt. Er ist bei seiner Arbeit stets mit ganzem Herzen und Verstand vorgegangen. Seine Arbeit war ihm wichtig und das konnten alle merken, die von ihm unterrichtet wurden, oder mit ihm arbeiteten. Seine Arbeitskollegen haben ihn deswegen sehr geschätzt und weil mein Vater ein sehr freundlicher und herzensguter Mensch gewesen ist, hat er unter seinen Kollegen auch sehr viele gute Freunde finden können. 
Jeder einzelne seiner Kollegen, welche mit ihm Freundschaft schlossen, wird sicherlich eine einzigartige Erinnerung davon haben, wie er Waleri kennenlernte. Jeder von ihnen muss sich nun jedoch leider von ihm für immer verabschieden, aber wird ihn nie vergessen.
 

Es gibt noch so viel, das zwischen ihm und uns ungesagt geblieben ist, noch so viele ungelösten Dinge, für die er eine Lösung hätte haben können, und es gibt noch so viel, das er hätte erleben können, das wir gemeinsam hätten erleben können.
Waleri hatte auch noch viele Pläne für die Zukunft. Er wollte zum Beispiel seine Memoiren von den Erlebnissen seiner Vergangenheit niederschreiben, einen Roman verfassen und dann seinen Lebensabend damit versüßen voller Stolz mit anzusehen, was aus seinen geliebten Kindern werden würde. Es ist eine tragische Wendung des Schicksals, dass er dies nun zumindest im Diesseits nicht mehr erleben wird. Aber ich bin mir sicher: Wenn er irgendwie kann, so wird er uns vom Jenseits aus beobachten und auf uns Acht geben.


Im Verhältnis zu dem Alter, das die Menschen heutzutage erreichen können, und in Hinblick auf all jene Dinge, die noch offen geblieben sind, ist Waleri, mein geliebter Vater, viel zu früh und viel zu unvermittelt verstorben.
Doch muss man sich auch die Frage stellen, ob es dafür überhaupt jemals einen richtigen Zeitpunkt gegeben hätte, und ob man überhaupt jemals dazu bereit gewesen wäre ihn gehen zu lassen. Fest steht jedenfalls, dass alles seine Zeit hat, und uns das an Tagen wie diesen, an denen uns der geballte Schlag der Realität mit aller Härte trifft, schmerzlich bewusst wird. Aber wo ein Leben ein Ende findet, findet ein anderes seinen Anfang. So hat Waleri der Welt Leben geschenkt und diesen Leben Liebe und Güte gelehrt und es ist nun an uns, seinen Kindern, Verwandten und Freunden sein Andenken zu ehren und an unsere Kinder, Verwandte und Freunde weiterzugeben, was er einst an uns weitergegeben hat.
 

Mein Vater hat mich im Laufe meines Lebens viel gelehrt. Ich wäre wohl nicht der, der ich heute bin, ohne ihn. Und auch jetzt noch hat er mich etwas gelehrt, nämlich, dass es wichtig ist den Menschen, die einem wichtig sind, zu zeigen, dass man sie liebt beziehungsweise schätzt. Denn man weiß nie, ob es das letzte Mal war, dass man jemanden gesehen hat, nachdem man sich verabschiedet. Und auch, wenn es Streit geben sollte, so sollte man sich in Frieden verabschieden und zeigen, dass man den anderen trotzdem noch mag. Es müssen keine großen Zuneigungsfloskeln sein, aber ein tägliches „Ich liebe dich“, oder eine kleine Umarmung ist schon viel Wert. Denn sonst könnte man dann, wenn es bereits zu spät dafür ist, bereuen seine Zuneigung nicht gezeigt zu haben. Und das würde einen quälen.
Ich für meinen Teil hatte zum Glück noch diese Gelegenheiten, bevor mein Vater Waleri gegangen ist. Ich bin mir sicher es wäre viel schwerer für mich diesen Verlust zu ertragen, hätte ich diese Gelegenheiten nicht gehabt. Aber nun weiß ich, dass wir uns in Frieden verabschiedet haben und uns unsere Zuneigung gezeigt haben.
 

So sehr ich ihn geliebt habe, so sehr hat er auch mich geliebt, wenn nicht mehr.
Und so ist es bei allen. So sehr, wie jeder von uns ihn geliebt und geschätzt hat, so sehr hat er auch uns geliebt und geschätzt.
Zwar hat Waleri die physische Welt verlassen, aber wenn wir an ihn denken und nicht vergessen, was er uns auf unserem Weg durch das Leben mitgegeben hat, so wird er weiterhin da sein, und zwar in unserem Geiste und unserem Herzen.


Das ist es was wir wollen und tun sollten. Nicht den schmerzlichen Verlust betrachten, den wir durch seinen Tod spüren, sondern uns an die guten Dinge erinnern, an die glücklichen Zeiten, die wir mit ihm hatten. In seinem Andenken sollten wir alle damit Frieden schließen, dass er nun nicht mehr unter uns weilt, Frieden mit ihm schließen und den Frieden in uns finden. Denn nur so können wir ihn friedlich gehen und ruhen lassen.


So verneige ich nun mein Haupt vor dir,
lieber Vati,
Und knie vor dir nieder.


Ich bin dankbar für die schöne Zeit mit dir,
werde dich in Ehren halten.
Du bleibst für immer in meinem Herzen,
werde dich stolz machen.


Und vielleicht sehen wir uns bald wieder.
Ich werde dich immer lieben,
und nun ruhe in Frieden.



Lupus Terre



PS: Die Laudatio wurde von mir etwas überarbeitet, um Anonymität wahren zu können (habe den Nachnamen gekürzt bzw. herausgenommen).



Mein Vater...


Es ist kaum zu fassen...
Mein Vater ist am 22.10.2012 verstorben.
Die zweite nahestehende Person dieses Jahr...

Womit habe ich das verdient?
Was habe ich falsch gemacht?
Was soll das?
Warum?
Warum..?
Warum...?

Ich habe nicht die Energie die kommenden Blogeinträge zu Ehren meines Vaters so zu planen, wie die für Eduard.
Doch die Laudatio, die zweite Grabrede, die ich nun in diesem Jahr für einen geliebten Menschen halten musste, werde ich veröffentlichen.
Es werden sicher auch weitere Werke folgen, die ihm gewidmet sind.
Aber es bleibt offen, ob sie sofort folgen werden, oder ein andern Mal...

Dies ist wahrlich ein beschissenes Jahr...
Dies ist wahrlich ein Weltuntergang für mich....


gez.

Lupus Terre


Sonntag, 23. September 2012

Warum, Eduard?


Die wohl größte Frage, die sich alle stellten und teilweise noch stellen, nachdem Eduard von uns gegangen bist, ist die Frage: "Warum?"

Warum hast du es getan? Warum jetzt? Warum?

Auch ich habe mich das sehr lange gefragt, obwohl ich die Antwort darauf vielleicht schon wusste.


Im folgenden Text werde ich versuchen die Antwort darauf zu formulieren, sowie weitere "W-Fragen", die damit zusammen hängen, zu beantworten.



Warum?


Diese Frage ist von allen am schwierigsten zu beantworten, wenn es überhaupt jemals eine befriedigende Antwort darauf geben sollte.

Nach all den Gesprächen, die ich mit Menschen, die dich kannten, geführt habe, nach all dem intensiven Nachdenken und ermitteln, kann ich maximal eine Sicherheit von vielleicht 80% dafür angeben, dass ich richtig liege.
Die Unsicherheit dahinter ist vor allem damit begründet, dass Eduard und ich in den Monaten, bevor es geschehen ist, nahezu gar nicht mehr über dieses Thema geredet haben. Das wiederum hat einen anderen Grund.
Jedenfalls hat er sich diesbezüglich mir gegenüber verschlossen und mich in falscher Sicherheit gewogen.

Der Grund nun, warum er es getan hat, lässt sich leider nicht so einfach beantworten, wie sich die Frage stellen lässt. Man muss separieren und differenzieren, da mehrere Faktoren dabei in einem komplexeren Zusammenspiel eine Rolle haben.


Ich separiere zunächst in mögliche physiologische Faktoren und danach in die psychologischen:


Physiologie


Schlaf:

Schon als ich Eduard kennen lernte, fiel mir auf, dass er fast immer sehr müde war. Unausgeruht, als würde er zu wenig Schlaf erhalten. Wir hatten des Öfteren darüber geredet. In den Gesprächen darüber teilte er mir unter anderem mit, dass er schlafen könne, so viel er wolle, es würde nicht das Geringste bezwecken und er würde schon nach einigen Stunden des Wachseins "unbrauchbar" sein. So schlief er bereits sehr früh (beispielsweise um 18 Uhr abends) ein, wenn er es sich auf einem Sofa Zuhause bequem gemacht hatte, wie er mir berichtet hatte.
Innerhalb des letzten Jahres kamen wir auf die Idee, dass es eventuell daran liegen könnte, dass er eine gestörte bzw. fehlende REM-Phasen - oder Tiefschlafphasen - Schlaf hatte, in welchen sich ein Mensch am intensivsten erholt. Wir kamen auf diesen Schluss, da Eduard berichtet hatte, dass er überhaupt keine Träume habe und sich nach dem Schlafen nie wirklich erholt gefühlt hatte.

Die Konsequenz: Alles, was man im Alltag durchlebt wirkt viel anstrengender, wenn man müde ist. Und die damit verbundenen Unlustgefühle werden intensiviert.
Deswegen ist mangelnder bzw. schlechter Schlaf ein Faktor, der u.A. Depressionen begünstigt.

Eine nebensächliche Anmerkung: Ich hatte versucht Eduard dazu zu bewegen ein Schlaflabor aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen. Ich hatte sogar welche für ihn herausgesucht und war bereit Termine für ihn zu machen. Leider hatte er sich dagegen gestellt.


Kopfschmerzen:

Eduard klagte praktisch täglich über permanente Kopfschmerzen, die ihn oft auch an konzentriertem Nachdenken hinderten. Wo die Ursache dafür lag, ist mir bis heute nicht bekannt. Möglicherweise aufgrund des gestörten Schlafes, eventuell auch weil seine Flüssigkeitsaufnahme sich in sehr engen und unterdurchschnittlichen Grenzen hielt, aber vielleicht hatte dies auch gänzlich andere Gründe.
Jedoch hatte er sich deswegen einst untersuchen lassen. Er suchte einen Neurologen auf, welcher lediglich herausfand, dass sein Blut etwas zu dickflüssig war, aber ansonsten alles in Ordnung sei.

Die Konsequenz: Permanente Kopfschmerzen rauben einem sowohl Energie, als auch Nerven. Sodass es zu einem zusätzlichen Verlust von alltäglichem Antrieb kommt. Es wirkt sich somit ähnlich aus wie seine stete Unausgeruhtheit.



Psychologie


Allgemeine Antriebslosigkeit:

Es war bekannt, dass Eduard zu vielen Dingen oft "keine Lust" hatte. Besonders, was das tägliche Vollführen eines schier "grauen" Alltagstrotts anbelangte. So mochte er es beispielsweise nicht früh aufzustehen, um zur Schule zu gehen, da er es als überflüssig empfand. Überflüssig teilweise deswegen, weil er am liebsten direkt studiert hätte, anstatt in lauter Fächern seine "Zeit abzusitzen" (wie er es formuliert hatte), nur damit man dann die offizielle Hochschulreife erhielte. 
Die Gründe dafür, dass es ihm an Antrieb fehlte, der ihn durch das Leben hätte treiben können, liegen teilweise in der Physiologie (siehe z.B.: Schlaf), teilweise aber auch an seinem Menschheits- und Weltbild, wozu ich später in diesem Eintrag komme.

Die Konsequenz: Hat man keinen Grund, oder gar ersichtlichen Antrieb, jeden Tag aufzustehen und zu erfüllen, was von einem erwartet wird, oder was man sich vorgenommen hat, entsteht ein grundsätzliches Unlustempfinden am Leben und jeglichen daraus abgeleiteten Tätigkeiten.


 
Menschheits- und Weltbild:
Eduards Menschheits- und Weltbild war überwiegend negativ geprägt. Zwar kann man nicht direkt sagen, dass er ein reiner Misanthrop war - also jemand, der die Menschheit aus tiefstem Herzen verachtete, allerdings jemand, der der gegenwärtigen Entwicklung der Gesellschaft sehr pessimistisch gegenüber stand.
Er verabscheute erheblich viele Verhaltensweisen, die für einen Großteil der Menschen leider unwiderlegbar typisch sind. Exzessive Handlungen primitivster Triebe, waren dabei nicht einmal der größte Kritikpunkt, den Eduard gegenüber der Gesellschaft hatte. Vielmehr waren es die übergeordneteren komplexeren dunklen Seiten der Menschheit, die sich tagtäglich überall auf der Welt begeben. Damit ist beispielsweise der weit verbreitete Egozentrismus - besonders innerhalb der modernen Konsumgesellschaft - gemeint, der schon seit Jahrtausenden ein großes Übel der Menschheit ist und sie zu hinterhältigen, verabscheuungswürdigen Taten treibt. Deswegen paraphrasierte er - meiner Ansicht nach zurecht - den gegenwärtigen Gesellschaftstypus als "Ellbogengesellschaft", die mit einem stetigen Werteverlust einhergeht.
Dies resultierte keineswegs aus einer übermäßigen Interpretation der Gegenwart, sondern beruhte auf nüchterner Analyse umgebender Geschehnisse, sowie dem Weltgeschehen. Er ist auch einer der Menschen gewesen, der dies nicht ohne weiteres akzeptieren wollte - geschweige denn konnte. Anders als andere wollte er sich nicht in süßen Illusionen wiegen, und den Rest der Welt vergessen, jedoch ließ er diese Dinge leider viel zu sehr an sich heran treten (dazu später mehr in: "Empathie").

Eduard war überdies nicht im Geringsten in irgend einer Form religiös. Im Gegenteil. Er lehnte es ab an Humbug zu glauben, den sich irgendwelche Menschen auf völlig irrationaler und unempirischer Ebene zusammensponnen, sondern pflegte eine streng rationale und wissenschaftliche Denkweise, was sich nicht zuletzt in seiner Begabung für Naturwissenschaften äußerte.
Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass er sich letztlich ebenfalls mit Gedanken zum Sinn und Zweck irdischen Lebens auseinander setzte und zu dem Schluss kam, dass es streng genommen keinen übergeordneten Sinn des Lebens gab.

Die Konsequenz: Ein negatives Menschheits- und Weltbild schlägt sich langfristig im Gemütsempfinden nieder. Man fängt an des Lebens müde zu sein, da man all das Übel, welches man in der Welt zu sehen meint, nicht ertragen möchte, bzw. kann. Es zehrt an den kräften so sehr, dass selbst ein starker Charakter daran zerbrechen kann, sollte er diese Gedanken nicht richtig verarbeiten.


Anmerkung: Dieses nicht ganz unberechtigt negative Bild, welches ich hier kurz zusammengefasst habe, ist wohl einer der größten psychologischen Faktoren, die Eduards Suizidalität intensivierten und - seinem Abschiedsbrief zufolge - auch der Hauptgrund für die letztendliche Umsetzung seiner Todessehnsucht.


Zukunftspesperktive:
Obwohl Eduard in intellektueller Hinsicht herrvoragende Aussichten auf spätere zukünftige Entwicklungen hatte (z.B. was das Studium und den Beruf betrifft), da er außerordentlich begabt in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern war, was er auch selbst wusste und dahingehend viel geplant hatte, sah er gleichzeitig für seine Zukunft in dieser Gesellschaft schwarz. Dies resultierte hauptsächlich aus seinem negativen Mensch- und Weltbild. Er sah schlichtweg keinen Sinn darin in einer Welt zu leben und zu arbeiten, wo er so viel Leid mitbekäme, aber nicht mächtig genug ist, um es zu verhindern.
Ihm war vollstens bewusst, dass er selbst vermutlich eine in finanzieller Hinsicht sorglose Zukunft haben würde, hatte jedoch keinerlei Hoffnung darin, dass sich die Gesellschaft schnell genug so ändern würde, dass sie für ihn "lebenswert" werden würde.

Die Konsequenz: Hoffnung ist eines der wenigen Dinge, die einem Menschen ein gewaltiges Maß an Antrieb geben kann, fehlt diese jedoch, ist jemand also "hoffnungslos", kann dies Suizidalität auslösen, oder eben intensivieren, sollte sie bereits aus anderen (verwandten) Gründen bereits vorhanden sein.



Emotion & Empathie:

Alle Menschen, die mit Eduard zu tun hatten - mich eingeschlossen -, erlebten ihn als einen sehr einfühlsamen, friedliebenden und verständnisvollen Menschen. Er war ein idealer Gesprächspartner, mit dem man über seine Sorgen und Probleme reden konnte, ein ausgezeichneter Freund, der jemandem in allen Situationen des Lebens Halt geben konnte und dem man blind vertrauen konnte.
Wohl auch wegen dieser Eigenschaft öffneten sich ihm gegenüber Personen, die ansonsten stark introvertiert sind. Alle schätzten seinen Charakter sehr.
Sein Empathievermögen artete allerdings leider oft darin aus, dass er nicht bloß "Mitleid" hatte, sondern wortwörtlich "mit gelitten" hat. Diese Sensibilität, die mitunter dazu führte, dass er Weltschmerz hatte, war höchstwahrscheinlich auch ein großer Mitfaktor, der ihm zum Verhängnis wurde. Auf der einen Seite ein Segen, auf der anderen ein Fluch. Eduard hat sich nicht nur das Weltgeschehen, sondern vor allem Krisen aus seinem persönlichen Umfeld sehr zu Herzen genommen. Beispielsweise war er nicht in der Lage eine gewisse Distanz zu den Leidensgeschichten von Menschen zu wahren, mit denen er sich unter anderem in Suizidforen austauschte - oder er wollte es nicht.
Nicht nur seine Mutter, sondern auch ich, konnten merken, dass seine Gemütslage sich seit dem regelmäßigem Aufenthalt in Suizidforen und -chats signifikant verschlechtert hatte, was seine Depression und Suizidalität konsequenterweise nur verstärkte.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang ist der andere Teil seiner Gefühlswelt.

Mir gegenüber behauptete er oft keine, oder kaum, Gefühle zu verspüren, außer große Unzufriedenheit und Unglückseligkeit mit dem Leben. Auch wenn man oft den Eindruck hatte ihn fröhlich zu erleben, so war es - wenn nicht gespielt, um niemanden merken zu lassen, wie es ihm tatsächlich geht - nur temporär und nicht konsistent genug, als dass er tatsächlich "wahres" Glück empfunden hätte, welches vielleicht seinem Leben mehr Farbe gegeben hätte und ihn davon hätte abhalten können den Weg zu gehen, den man nur einmal beschreiten kann.
Die negativen Aspekte, die er in seinem Leben wahrgenommen hatte, waren deutlicher und beständiger, als die Momente der Freude, welche sich rasch verflüchtigten.
Ganz wenige andere, sowie ich, haben zudem ein selbstverletzendes Verhalten bei Eduard wahrgenommen, welches er damit begründete, um "etwas anderes zu fühlen". Und den selbst zugefügten Schmerz empfand er als angenehm und "befreiend". Jedoch ist dies auch ein komplexeres Produkt mehrerer Faktoren seiner Depression.

Die Konsequenz: Die Menschen streben bewusst oder unbewusst nach Glückseligkeit. Erreichen sie diese nicht, verfallen sie in schwermütige, gar depressive Gemütslagen. Eduard hatte großes Unglück durch sein hohes Empathievermögen gespürt, was letztlich dazu beitrug, dass er außer diesem Leid kaum noch positive Empfindungen hatte, oder wahrnahm. Darüber hinaus hatte er diese emotionalen Regungen falsch verarbeitet. Statt sich ein wenig davon zu distanzieren und etwas konstruktives daraus zu entwickeln, ließ er sich davon stark affektieren, was destruktive Auswirkungen auf seine gesamte Psyche hatte. Man könnte sagen, dass er sich selbst und seinen Gefühlen schier wehrlos ausgeliefert war.



Letztlich Depression:

All diese Faktoren, die ich bisher zusammenfassend dargestellt habe - und nicht sicher bin, ob ich etwas ausgelassen habe - führten in ihrem komplexen Zusammenspiel dazu, dass man ihn als depressiven Menschen einstufen konnte, der rasch eine Suizidalität entwickelte. Er war das Leben leid und begann bereits früh damit sich mit suizidalem Gedankengut auseinander zu setzen, sodass es für ihn mit der Zeit zunehmend Gestalt annahm. Die depressive Grundstimmung und die damit verbundenen Faktoren, die er jeden Tag in sich hatte, wurden wohl eines Tages stark genug, um ihn endgültig dazu zu treiben einen längerfristigen Plan auszutüfteln, der ihm zu einen von ihm erdachten "günstigen Zeitpunkt" den Tod bescheren würde, was er leider als einzigen Ausweg aus seiner Misere sah und sich dort nicht reinreden ließ. Er wollte es so und ließ sich nicht aufhalten. Eduard meinte einst zu mir, dass er sich dafür hassen würde, dass er mitverantwortlich dafür wäre, dass es Menschen gab, die ihn mochten, da er wusste, dass diese sehr leiden werden, sollte er eines Tages gehen. Aber auch diese Reue, die er verspürte, war nicht stark genug, um den Todeswunsch in sich zu ersticken.
Leider...
Ich habe mein möglichstes getan, um ihn von diesem Weg abzubringen, aber bin gescheitert und denke, dass ich vielleicht hätte mehr tun sollen. Was auch immer dieses "mehr" gewesen wäre...



Es ist mir bewusst, dass selbst mein Versuch hier eine Antwort auf das große "Warum" zu geben, nicht zufriedenstellend sein kann. Denn hinter jedem Antwortpartikel steht wieder ein "Warum?", oder "Wieso? Woher kommt das?". Aber so könnte man das eine lange Zeit weiterführen, bis man irgendwann bemerkt, dass es im Nichts endet. Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem es keinerlei plausible Antwort mehr gibt. Deswegen sollte man versuchen sich mit dem, was man an Informationen hat, "zufrieden zu geben", um sich eine weitere Serie aus Schmerz und Trauer zu ersparen und die Gegenwart akzeptieren, wie sie ist, sowie versuchen einen Weg zu finden in ihr zurecht zu kommen.



Im Folgenden nun die (möglichen) Antworten auf weitere Fragen.



Wann?


Die Entwicklung einer suizidalen Depression beginnt schleichend. Man kann nicht genau sagen wie lange es dauert, bis bei einem Menschen bestimmte Gedanken zu der endgültigen Entscheidung ausarten.
Von Eduards Suizidgedanken habe ich relativ früh erfahren. Bereits nach wenigen Monaten unserer Bekanntschaft kamen wir irgendwie auf dieses Thema. Allerdings dachte ich für eine lange Zeit, dass es nur Gedanken sein würden, die bei Gedanken bleiben würden, aber nicht zu Taten ausschreiten. Heute erkenne ich, dass ich leichtsinnig und naiv war.
Als ich ihn fragte, seit wann er diese Gedanken habe, also wann es angefangen hatte, antwortete er, dass er erstmals mit etwa zehn Jahren angefangen hatte ein negatives Weltbild zu entwickeln und es nicht lange dauerte, bis sich erstmals Gedanken, die sich mit dem Tod - mit seinem Tod - befassten, bemerkbar machten. Wie auch in seinem Abschiedsbrief - wenn man das so nennen kann - teilte er mir mit, dass er es sich bereits seit vielen Jahren nüchtern überlegte, da er diese Entscheidung nicht leichtfertig fällen wollte, sondern wohl durchdacht und nicht von wilden Gefühlsregungen geritten.

Das erste Mal, als er es (fest beschlossen) vorhatte, war am 23.01.2012, was er (glücklicherweise) letztlich doch nicht getan hatte.


Der Tag der Tragödie war der 16.05.2012. Es geschah vermutlich zwischen 12 und 17 Uhr nachmittags.


Heute vor fast exakt 4 Monaten begann seine Bestattungszeremonie.



Wo?

Er führte seinen Selbstmord in der Wohnung durch, in welcher er mit seiner Mutter zusammen lebte. Genauer: In seinem Zimmer. (Für weitere Informationen diesbezüglich, siehe: Animus de Lupus Terre - Schock)




Die Antwort auf die folgende Frage sollten Sie, sehr verehrter Leser, sich nur durchlesen, wenn Sie einen stabilen Charakter besitzen, der es Ihnen ermöglicht die folgende Information zu verkraften. Ansonsten sollten Sie die Antwort auf die folgende Frage besser nicht durchlesen.


Wie?

Eduard hat sich mittels KCN (Zyankali - auch bekannt als "Blausäure") umgebracht. Er hat es sich den Ermittlungen zufolge selbst hergestellt. Begabt in den Naturwissenschaften war er schließlich, sodass dies wohl keine allzu große Herausforderung für ihn gewesen sein muss. Er hat es offensichtlich als Dampf eingeatmet.
Die Wirkung von KCN gleicht einer Art Erstickungstod. Der Wirkstoff bindet irreversibel sich an Eisen(III)-Ionen eines Enyms, welches für die Zellatmung verantwortlich ist. Damit blockiert der Wirkstoff die Sauerstoffbindung und die Zellatmung kommt zum erliegen, wodurch Symptome einer Suffokation (Erstickung) entstehen.
Der Tod durch KCN ist somit qualvoll und unumkehrbar. Sollte man sich in letzter Sekunde dagegen entscheiden, ist es zu spät. Hat man es einmal eingenommen, gibt es kein Zurück mehr...



Auch aus der Antwort auf die letzte Frage resultierend, frage ich mich etwas, worauf ich keine Antworten gefunden habe und wohl auch nie finden werde: 

Was ging ihm in den letzten Minuten durch den Kopf, und was in den letzten Sekunden? 

Was wäre, wenn ich etwas anders gemacht hätte?

Letztlich werde ich die Antworten auf diese Fragen wohl niemals in Erfahrung bringen können. Ich weiß nicht einmal mit absoluter Sicherheit, ob ich mit meiner Antwort auf die Frage "Warum?" richtig liege. Aber was bleibt mir anderes übrig, als mich damit irgendwie abzufinden..?



Ich schließe die von mir geplante Reihe, die ausschließlich Eduard gewidmet ist, hiermit mit diesem Eintrag ab. Gewiss werde ich auch in Zukunft Werke verfassen, die ich gänzlich Eduard widme. Doch diese ununterbrochene Reihe aus 7 (8) Einträgen soll nicht nur eine Art Ehrung darstellen, sondern sollte auch mir bei der Verarbeitung meiner Trauer dienen. Ich hoffe, dass vielleicht auch andere, die diese Blogeinträge lesen, dem etwas abgewinnen können.



- Es wird kein Tag vergehen, an dem ich nicht an dich, Eduard, denken werde...


Lupus Terre


 

Sonntag, 16. September 2012

Akzeptanz


Heute, Eduard, hättest du Geburtstag.
Heute, mein lieber Freund, wärst du 19 Jahre alt geworden.
Heute, mein Bruder, bist du aber nicht hier.
Vor nunmehr 4 Monaten geschah es, als die Welt für mich unterging, weil du beschlossen hattest deinem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen.
Die gesamte Zeit seitdem gleicht postapokalyptischen Zuständen - zumindest in der Gefühlswelt.
In den Menschen, die dir nahe gewesen sind, ist nur noch eine leblose, trockene Wüste voller Trümmer vorzufinden.
manche sogar, wissen nicht mehr, was das Wort "Freude" bedeutet.
Der Tag, jener Tag erschütterte uns und riss nicht bloß ein gewaltiges Loch in unsere Herzen, sondern verfärbte es auch schwarz.
Wir bluten, wir weinen, wir trauern still, aber wir lachen nicht.
Wir vermissen dich so sehr, dass wir manchmal denken, dich irgendwo munter umher wandern zu sehen. Doch dies stellt sich als bittere Enttäuschung dar, und auf den süßen Geschmack der Freude dich wiederzusehen, folgt ein erbitterter Schlag, der uns wieder zurück in die beklemmende Finsternis stößt, aus der wir versuchen zu entkommen.
Es ist schwer, hart, gewaltig. Keine Worte könnten diesen Zustand angemessen beschreiben. Keinem Feind würde ich das wünschen. Niemand sollte erleiden müssen, was wir wegen dir erleiden. Niemand kann einem wirklich helfen, sobald man in das Loch gestürzt ist. Man muss es alleine - aus eigener Kraft - schaffen. Und es braucht viel Zeit. Zeit, die für die einen endlos zu sein scheint.
Es nagt an den Kräften, bis man keine mehr hat, um zu trauern, und keine für irgendetwas anderes. Man sitzt nur noch da und während man vor sich hin vegetiert, schreitet der innere Zerfall voran, der mit schwelender Hitze auch die letzten Fragmente einer zerbrochenen Person - wie wir sie sind - zu verbrennen weiß, sofern man es nicht schafft sich dagegen zu wehren, sich nicht gegen die fortschreitende Zerstörung zu verteidigen weiß, nicht in der Lage ist wenigstens sich selbst zu retten, wenn man schon nicht mächtig genug ist, andere zu retten. Doch es ist schwer darüber zu stehen, noch schwerer ist es, überhaupt dort hin zu kommen, wo man vor dem Schaden, den du angerichtet hast, Eduard, auch nur in Ansätzen sicher ist.
Vielleicht ist es unsere Schuld, dass wir dich so sehr in unsere Herzen geschlossen haben. Aber vielleicht ist es doch deine Schuld, da du keine Rücksicht genommen hast.
Es mag sein, dass viele denken, diese Tat sei eine rein persönliche Entscheidung. Doch das ist sie nicht. Alle Menschen sind in einem komplexen Netz aneinander angebunden, fällt einer aus diesem heraus, sind besonders jene betroffen, die dieser Person am nächsten standen. Es ist also keineswegs eine rein persönliche Entscheidung, es ist eine egoistische, die verheerenden Schaden anrichtet.
Und doch hast du es getan. Zuerst will man dies nicht wahrhaben und denkt, es sei eine Illusion, eine falsche Realität, aus der man wie aus einem Traum bald aufwacht. Doch man wacht nicht auf, man hört nicht auf diesen Schmerz zu spüren, man stellt bitter fest, dass diese falsche Realität nicht falsch ist, man merkt, dass es wahr ist, so sehr man sich auch etwas anderes wünscht und letztlich muss man sich in dieser Realität zuirecht finden.

Ich für meinen Teil kämpfe nicht mehr dagegen an und versuche nicht mehr mich vergeblich an der Vergangenheit festzuhalten, an dem, was ich mal war, was wir mal waren.
Ich öffne meine Augen der Gegenwart, der Realität, wie sie ist.
Eine Realität ohne dich.
Ich akzeptiere mit großem Schmerz, der mit jedem Atemzug in meiner Seele sticht, dass du fort bist und nie mehr wiederkehren wirst.
Ich akzeptiere es, dass du mich und die anderen verlassen hast und ich nichts tun kann, um das rückgängig zu machen.
Ich akzeptiere die Realität, wie sie ist.
Wenngleich ich es niemals werde gutheißen können,
akzeptiere ich, dass du tot bist.

Ich werde dich stets in Erinnerung behalten, mein Freund,
und unsere gemeinsamen Erlebnisse niemals vergessen.


Lupus Terre


 

Sonntag, 19. August 2012

Trockenheit


Nicht nur die sengende Hitze dieser Tage sorgt dafür, dass Flora & Fauna auf schmelzendem Asphalt vor sich hin siechen, auch im Inneren ist eine Dürre eingekehrt, die jegliche Regung in der Gefühlswelt in eine emotionslose Wüste wandelt.
Die Unsäglichkeiten immer noch gegenwärtiger Zeiten haben die Monumente im Inneren niedergebrannt und nun findet sich dort nichts weiter als ein Wind aus Asche, der über verdorrten Boden weht.
Das Feuer hast du gelegt, Eduard, liebster Freund von allen.
All die Tränen, die ich vergossen habe, konnten dieses Feuer nicht löschen. Unermüdlich brannte es weiter, bis absolut alles in mir Asche ward.
Was ist mir geblieben?
In meinen Händen halte ich die trockene heiße Erde, die letzten Zeugen dessen, worauf dereinst ein Paradies thronte, welches durch dich gedieh.
Das Feuer brannte alles nieder, und was von ihm noch nicht vernichtet wurde, wandelt sich immer mehr in kohlige, glühende Reliquien, welche auch mehr und mehr diesen Flammen, die du gesät, nachgeben. Nichts ist stark genug, um dem zu widerstehen.

Ich laufe über die Asche meiner selbst, schmiege meine Füße an die Weißglut, der ich begegne, aber spüre keinen Schmerz mehr. Denn auch das, was dereinst dafür verantwortlich war mir den Schmerz zu erklären, ist unter deinen Flammen untergegangen. Nur noch verbranntes Fleisch kann ich dann riechen, aber Dumpf ist mein Gemüt, Dumpf ist mein Empfinden, vernichtet, vertrocknet, leer.
Fühle keine Angst, fühle keine Hoffnung, fühle kein Wohlsein, fühle kein Unwohlsein.
Zwischen zwei Welten bin ich gefangen, wandle auf einem schmalen Grat, der einen Seite ein Schwert gestellt, der anderen Seite fremde Erinnerungen nur.

Trockenheit ist über mich eingekehrt. Durch und durch bin ich verdorrt. Meine Tränen verdunsten, ehe es mir möglich ist sie aus meinen Augen treten zu lassen. Denn im Inneren dieser sonnengleiche Hitze bereits jedes Gemüt entweicht.
Was ist mir geblieben?
Ein verdunstender salziger See, die Quelle meiner Tränen, die unter dem Feuer schwindet, und die Arie einer vereinsamten Witwe, die in den lodernden Flammen vor Schmerzen schreit, nicht singt.
Ein Inferno, kein Feuerwerk, in der Welt aus meinem Inneren.

Und ich frage dich erneut:
Was ist mir geblieben?
Ein Name auf ein Schild graviert,
ein stiller Ort nicht weit entfernt,
ein Haufen toter Erde zu meinen Füßen
und Grabsteine ringsum zum Grüßen.
Nur die Rede in meinem Kopf,
mit dir, dem, der du mal warst.
Ein Kampf um Erinnerungen,
ein Kampf um dich.
Der Versuch dich bei mir zu halten,
doch deine Flammen hindern mich...


Lupus Terre



Montag, 16. Juli 2012

Konfrontation


Der Morgen nach der Nacht, in der man in einer Welt versunken ist, die fernab jeglicher Realität ihre Geschichten schreibt, erweckt in mir die Illusion es sei alles wie gewohnt. Doch sobald ich meine Augen aus der Schlaftrunkenheit gerieben habe und das Sonnenlicht des neuen Tages empfange, wird mir bewusst, dass nichts ist, wie gewohnt. So lebhaft die ersten Gedanken und Gefühle auch sind, die ich nach dem Aufwachen empfinde, so sehr muss ich mir doch auch eingestehen, dass sie lediglich ein Überbleibsel aus dieser fernen Welt sind und so sehr muss ich mir doch auch eingestehen, dass es ein großes Loch in mir gibt, das durch nichts gefüllt werden kann.
In jeder Sekunde des Wachzustands und an jedem Ort, an dem ich bin - egal welcher es auch sein mag, ob öffentliche Straßen, das eigene Zimmer, öffentliche Orte, oder stille und private - werde ich daran erinnert, was geschehen ist, werde daran erinnert, dass du fort bist...
In jeder Situation, die ähnlich den Situationen ist, denen wir beide früher gemeinsam begegnet sind, werde ich an dich erinnert und spüre wieder die schmerzende Tatsache, dass du fort bist...
In jedem Augenblick, in dem ich deswegen Tränen verliere, in dem ich vor Schmerz schreie, in dem es mir schlecht geht, werde ich daran erinnert, dass ich mit dir über alles, was mir auf dem Herzen lag, reden konnte, werde daran erinnert, dass du immer da warst, um mich zu stützen und immer ein offenes Ohr hattest, doch muss ich mir nun eingestehen, dass du fort bist...

Früher einmal habe ich nur Positives mit dir verbunden. Deine Anwesenheit, lachend oder schweigend, war immer ein Segen und eine Freude für mich. Denn noch nie hatte ich jemanden, dem ich so sehr vertraut habe, mit dem ich mich so verbunden gefühlt habe, wie mit dir.
Nun jedoch ist jede Erinnerung an dich - sei es eine schöne, oder eine schlechte - mit einem gewaltigem Schmerz verbunden, der mich nicht lächeln lässt, sondern mir die Tränen in die Augen treibt und mich innerlich erwürgt.
Du wirst diese Worte, die ich hier schreibe, niemals lesen können und auch niemals hören, und dennoch schreibe ich sie dir, weil ich einfach nicht akzeptieren will, dass es wirklich schon um dich geschehen ist.
Ich kann es nicht akzeptieren. Ich will es auch nicht akzeptieren.
Jedes Lächeln, dass sich über meine Lippen quält, ist eine große Lüge, die ich nach Außen dringen lasse, um anderen den Eindruck zu vermitteln, es ginge mir gut.
ABER ES GEHT MIR NICHT GUT!!!
ES GEHT MIR NICHT GUT UND ES WIRD MIR NIE WIEDER GUT GEHEN, ohne dich...

Bald hat eine gemeinsame gute Freundin von uns Geburtstag. Du warst der einzige von uns, der ihr stets Blumen geschenkt hat. Doch nun ist niemand da, der ihr Blumen schenkt.
Du warst bei uns, als wir ein gemeinsames Geschenk für einen unserer gemeinsamen guten Freunde suchten. Doch nun bist du nicht mehr da, deine Worte, deine Ratschläge, deine Anwesenheit fehlt!
Du fehlst! Du fehlst mehr, als du dir wohl je erträumt hast!
In jeder verfluchten Kleinigkeit spiegelt sich dein Antlitz wider!
Schaue ich meinem Ebenbild im Spiegel in die Augen, sehe ich nicht mehr denjenigen, dem ich noch vor über zwei Monaten in die Augen geblickt habe.
Ich sehe jemanden, dem etwas extrem Wichtiges im Leben verloren gegangen ist. Ich sehe in die Augen eines gebrochenen kleinen Jungen, der hilflos in der Dunkelheit nach jemandem schreit, der ihm die Hand reicht, um ihn aus dieser Dunkelheit zu führen. Doch niemand ist dort. Alle sind fort. Niemand ist dort, um ihn in Sicherheit zu bringen.
Als du noch da warst, war ich mit dir gemeinsam eine Art Einheit. Ich fühlte mich nicht alleine, ich fühlte mich geborgen, ich fühlte mich in Sicherheit, ich fühlte mich stark.
Doch mit dir ist auch in mir etwas gestorben.
Mit dir ist ein Teil von mir gestorben.
Mit dir ist meine andere Hälfte gestorben.

Und ich bin nun damit konfrontiert, dass es nie wieder kommen wird, dass DU nie wieder kommen wirst. Nun bin ich mit der unglaublich anspruchsvollen Aufgabe konfrontiert zu akzeptieren, dass du nicht mehr da bist, und es schmerzt höllisch, weil ich nicht mehr stark genug bin. Weil du fort bist, bin ich schwach geworden.
Jeder Gedanke daran nun damit irgendwie zurecht kommen zu müssen, dass du weg bist schmerzt mehr als jede erdenkliche physische Folter, die sich der grausame menschliche Verstand je irgendwann auf dem gesamten Erdball in der gesamten Erdgeschichte ausgedacht hat.
Und ich muss mich hindurchquälen, während ich diese Zeilen an dich gewidmet schreibe.

Genau wie noch vor Monaten überprüfe ich jedes mal, wenn ich im Chat online komme, ob du ebenfalls da bist, aber du bist es nicht...
Genau wie noch vor Monaten habe ich jedes mal, wenn ich in eine U-Bahn steige, das Gefühl, dich dort anzutreffen, aber du bist nicht da...
Genau wie noch vor Monaten denke ich jedes Mal, wenn ich aus dem Handy deine Festnetztelefonnummer suche, daran, dass ich deine vertraute Stimme hören werde, doch das einzige, das ich höre, ist deine Stimme auf dem Anrufbeantworter.
Geschockt und erfreut denke ich dann erst jedes mal, dass du noch da wärst, dass du noch am Leben wärst, dass du noch echt wärst, echter, als die bloße Erinnerung an dich, die genausogut ein schöner Traum aus einer fernen Welt sein könnte.

Ich schaue mir die wenigen Fotos und die wenigen Videos an, die es von dir gibt. Auf denen wirkst du noch so nah, noch so fröhlich, noch so, als wäre alles in Ordnung. Aber wie ich dann jedes Mal feststellen muss, bist du nicht mehr nah, bist nicht mehr fröhlich, und es ist nicht mehr alles in Ordnung, und es wird es nie wieder sein... nie wieder.... nie wieder..... nie wieder....
Egal, wie oft ich es mir einrede, egal, wie oft ich es sage, egal wie oft ich nachts weine und deinen Namen schreie, ich KANN es einfach nicht wahrhaben und schon gar nicht akzeptieren.... es geht nicht.... ES GEHT NICHT!!! ICH WILL NICHT, DASS DU FORT BIST!!!
Und doch bliebt dieses flaue, morbide, zerstörerische Gefühl in mir, dass das Loch in mir vergrößert, mich von innen heraus auffrisst und mir sagt: Es wird nie wieder so sein wie früher, es wird nun immer anders sein, es wird nie wieder auch nur irgendwie "in Ordnung" sein...


Es gibt so viele Gegenstände, die mich an dich erinnern. Jeder von ihnen kann von einer Geschichte, in der du vorkommst, erzählen. Und selbst, wenn ich all diese Gegenstände zerstören würde, um nicht mehr so schmerzhaft an dich erinnert zu werden, kann ich nicht einfach den Schatten aus meinen Gedanken tilgen und nur das Positive an dich in meinem Herzen bewahren.
Ich kann und will dich einfach nicht gehen lassen und muss dafür diesen unsäglichen Schmerz ertragen...

Nie hätte ich es mir gedacht, dass ich irgendwann einmal der Beerdigung meines allerbesten Freundes beiwohnen müsste, nicht in so naher Zukunft. Doch der Anblick, den ich am Tag deiner Beerdigung ertragen musste, lässt sich nicht aus meinen Gedanken radieren. Ich kann dein Gesicht von diesem Tage nicht vergessen, und kann auch nicht vergessen, dass ich tatsächlich an deinem Grab stand, auf dem in klaren Buchstaben dein Name geschrieben steht. Nie hätte ich auch nur in meinen schlimmsten Alpträumen befürchtet, eines Tages deinen Sarg zu begleiten, und so sehr zu weinen, dass ich den Boden unter meinen Füßen nicht mehr erkennen kann.

Es ist nun zwei Monate her, dass du, mein eigener bester Freund, gestorben bist. Eine Zeit, die schneller verging, als sie es sollte. Und auch, wenn ich mich nun viel öfter mit unseren Freunden treffe, als wir es je zuvor gemacht haben, fühle ich mich einsam und verloren.
Auch wenn ich noch so viele Stunden mit ihnen verbringe und mit ihnen rede, fühle ich mich allein. Es wirkt so unreal, als würde ich das in Wahrheit nicht erleben, sondern wäre noch in der Zeit von vor zwei Monaten, wo alles noch in Ordnung war...

Jedem Menschen, der mit mir über seine Probleme geredet hat, konnte ich helfen. Jedem, ausser dir.
Ich habe bei dir, als dein bester Freund, kläglich versagt.
Ich habe bei meinem besten Freund als Mensch versagt.
Umso härter trifft es mich. Umso härter empfinde ich die Tatsache, die Zeit nicht zurück drehen zu können. Umso mehr will ich nicht akzeptieren, dass das alles wirklich geschehen ist...

Du warst mein Bruder, und du wirst es immer sein.........



Lupus Terre

Montag, 25. Juni 2012

Angst & Wut


Schattenreich.
Salzig süße Meere ergeben sich deiner Gewalt.
Schattenreich.
Dickflüssiges schwarzes Blut pulsiert durch deine Narben.
Schattenreich.
Verschlingst jedes Photon und jeden Hauch von Freude.
Schattenreich.
Nimm mir nicht das Heiligste!

Echos hallen durch verdorrte Ebenen.
Und müde Schreie flüstern mir ins Ohr:
"Eile! Eile, Kind!
Sonst ist es verwirkt.
Renne geschwind!
Denn er stirbt."

Die Zeit, sie trocknet,
aber läuft hinfort,
lässt mir keine Chance.

Schattenreich.
Nimm mir nicht das Heiligste!

Ich eile wie ich kann,
aber der Boden zäh wie Pech.
Schritte vorwärts sind Schritte zurück.
Schritte zurück sind Schritte ins...

Schattenreich.
Nimm mir nicht das Heiligste!

Stürze in der Tiefe.
Der Tiefe gewalt'ger Durst
frei von jeder Lust.
Als ob dort etwas riefe.
Treibt mich an.
Treibt mich fort.
Ungenau wann,
wie der Ort.

Schattenreich.
Nimm mir nicht das Heiligste!
Schattenreich.
Flucht ist sinnlos.
Schattenreich.
Kraftvoll deine Wogen.
Schattenreich.
Weinst dunkle Fetzen.
Schattenreich.
Greif nicht nach meinem Herzen!
Schattenreich!
Nimm mir nicht das Heiligste!

Ein Flehen
Mein Flehen
Das Flehen
Geschundener Wulst
Zerkratzter Knie
Vertriebenen Seins

Furcht in Ketten, abgemagert, des Fleisches abgenagt.
Angst in Nägeln, blutgetränkt, ins Mark geschlagen.
In den Augen eingebrannt die Schrift des Entsetzens.
In das Gehirn gemeißelt rotiert der Schlag des Motors.

Schattenreich!
Nimm mir nicht das Heiligste!
Schattenreich!
Erquicke dich dem Triefen siechend!
Schattenreich!
Nimm mir nicht das Heiligste!

Bitte!
Bitte!
Bitte!
Ich eile.
Hoffe zu stoppen.
Bitte!
Bitte!
Bitte!
Hab' Gnade!
Nimm mein Opfer!
Bitte!
Bitte!
Bitte!

Ich kann es nicht ertragen.
Ich will es nicht mal wagen.
Der Körper versteckt im...
Das Antlitz verdeckt vom...

Schattenreich!
Gib mir nicht das Dunkel!
Schattenreich!
Ich habe Angst!
Schattenreich!
Ist es das, was du willst?
Schattenreich...
Schattenreich...
Schattenreich...


Ich versinke.
Nicht im Boden.
Nicht im Meer.
Ich versinke.
In mir selbst.


Warum hast du das getan?!
Warum hast du uns verlassen?!
Warum hast du dich ergeben?!
Warum hat es dich geholt?!
Warum hat es keine Gnade?!
Warum hat es kein Gemüt?!
Warum waren deine Worte stumm?

Nein!
Nein!
Nein!
Ich will das nicht ertragen!
Ich will das nicht erleben!
Ich will es nicht wahrhaben!
Ich will so nicht mehr leben!

So hättest du doch was sagen sollen!
So hättest du doch schreien sollen!
So hättest du doch um dich geschlagen!
Aber nun stehe ich vor deinem Namen.
Eingraviert in mattes Holz.
Eingesteckt in tote Erde.
Eingedeckt im Blumenmeer.
Sehen werde ich dich nimmer mehr...

Schattenreich!
Ich verfluche dich aus tiefstem Herzen!
Schattenreich!
Ich hasse dich so sehr wie nie!
Schattenreich!
Ich will ihn dir entreißen!

Zu mächtig du doch bist,
ihn in meine Hände zu übergeben.
Gefallen ist die Entscheidung;
negiert das Überleben.

Bereue es!
Oder fluchen werd ich mehr.
Bereue es!
Siehe deine Fehler ein!
Bereue es!
Sei nicht so gemein!
Bereue es!
Dann ist es nicht so schwer.

Breche nicht aus mir heraus!
Bleibe, wo du bist!
So lasse doch Gelegenheit,
für nur eine einz'ge List.

Der Schlagabtausch immer schneller,
doch stockte in der Mitte,
doch stürzte in die Tiefe,
nun gebar einen geplatzten Stern.

Lasse mich nicht hier zurück!
Lasse sie nicht hier zurück!
Lasse ihn nicht hier zurück!
Lasse uns nicht hier zurück!
Lasse dich selbst nicht im Stich!

Gedanken explodieren ebenbürtig
Gewaltiges Feuer inbrünstig treibt
Brachial der Schmerz, das Leid, die Pein
Besessenheit von immerwährenden Fragen

Fragen,
die mich plagen.
Qualen,
mir die Freude stahlen.

Wer ist Schuld?!
Was ist Schuld?!
Wo ist es?!
Kein Ja, kein Nein.
Kein Vielleicht, kein Weil.
Kein Bruchteil angekratzt
an den Siegeln der Rätsel.


Schattenreich!
Oh Schattenreich!
Schattenreich!
Ich will fort von dir!
Schattenreich!
Oh Schattenreich!
Ich verachte dich!

Schattenreich!
Schattenreich!
Schattenreich!
Nun ist es zu spät...



by
Lupus Terre