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Montag, 10. Juni 2013

Ist der Mensch wirklich Mensch?


Ist der Mensch wirklich Mensch?


ein Essay von

Lupus Terre
verfasst am 22.11.2009


Ist der Mensch wirklich ein Mensch? Ist er wirklich das, was er behauptet zu sein? Ist er besser als ein Tier, weil er ein Mensch ist?
Der Mensch, das vernunftbegabte Tier, das sich die Vernunft, den Verstand und die Moral aneignet und sich somit das Recht gibt etwas Gutes, etwas Besseres zu sein. Der Mensch ist ein Mensch, weil er fähig ist sich über die Natur hinwegzusetzen und nicht von Trieben kontrolliert wird, wie die Tiere. Eigentlich....
Biologisch ist der Mensch nichts anderes als ein Tier.
Religiös ist der Mensch ein von einem supermächtigem Gott kreiertes Meisterwerk.
Vom Menschen selbst ist der Mensch einfach nur gut.
Doch was ist er nun in der Tat? Ein Tier, ein Wesen von einer Gottheit, oder einfach nur etwas Gutes und Besseres als alles andere?

Fassen wir zusammen, was der Mensch kann, was er tut und schließen wir darauf, was er letztlich ist.
Wir betrachten den Menschen und sehen, er hat Potenzial. Er ist intelligent, vernünftig und kann feststellen, was gut für ihn und seine Umwelt ist.
Betrachten wir nun seine Taten, sein Handeln. Tut er wirklich das, wozu er fähig ist? Es ist doch eine logische Konsequenz, dass der Mensch tun muss, wozu er in der Lage ist. Denn es bringt ihm und anderen doch so viele Vorteile, oder?
Ja, wir sehen welch herrliche Errungenschaften er durch seine Intelligenz erreichte. Er hat es nicht nur geschafft seine Umwelt durch seine Maschinen auszubeuten, nein er hat auch Dinge wie die Atombomben gebaut. Doch wozu diese da sind, ist unklar, schließlich lebt der Mensch doch friedlich, denn er ist ja so intelligent und vernünftig.
Auch seine Nächstenliebe ist überaus grandios. Sie zeigt sich z.B. darin, dass er andere Menschen ihrer Existenzen beraubt. Und das alles ist ja auch gut, denn der Mensch ist ja gut.
Aber mal im Ernst: Der Mensch definiert sich selbst so. Er findet sich selber toll, denn er hat ja das Potenzial zu moralischen, vernünftigen Handeln.
Doch das bloße Potenzial etwas sein zu können bedeutet nicht, dass man es auch ist.
Warum handelt der Mensch schädlich, wenn er doch Moral usw. hat? Es ist unverständlich weshalb sich eine so hoch entwickelte Spezies sich zu solch niederträchtigen Taten verleiten lässt. Die Menschheitsgeschichte ist geprägt von Massakern, Kriegen, Intrigen und Machtkämpfen. In all den Jahrtausenden hat sich der Mensch in dieser Hinsicht kaum verändert. Wo früher Schlachten mit Schwert und Pfeil ausgetragen wurden, werden heute durch die moderne Kriegsführung Präzisionsschläge verübt. Immer noch geht es um Macht. Anstatt vernünftig als geeinte Spezies zu vegetieren fallen wir in primitive Kämpfe von Alpha-Männchen zurück. Wo bleibt da unsere so hoch geschätzte Intelligenz, unser Verstand und vor allem unsere Vernunft?
Aber dies ist nicht der einzige Grund dafür, dass der Mensch mehr ein Tier ist, als das, was er behauptet zu sein.
Beispielsweise fundieren die Werte bzw. Wertvorstellungen des Menschen ebenfalls auf Primitivität, auf tierisches Verhalten.
Nächstenliebe, ein Wert, der auf ein einfaches Rudelverhalten zurückweist. Würden alle in Hass auseinander gehen, sich gegenseitig zerfleischen (was sie ja sowieso bereits tun), würde der Fortbestand der Spezies sehr unwahrscheinlich sein. Dieser „Wert“ ist ein Mittel der Natur den Menschen bzw. das Tier namens Mensch zum Überleben zu bewegen. Liebe, ein Wert, der durch Hormone verursacht wird. Ein Mittel, um den Menschen zur Fortpflanzung zu bewegen, was den Erhalt der Spezies sichert. Auch der damit verbundene Wert der Schönheit bzw. der Ästhetik ist rein auf die Natur, auf menschliche Triebe zurück zu führen. Schönheit ist ein Anzeichen für Gesundheit, gute Gene, was einen guten Fortpflanzungspartner auszeichnet.
Der Mensch ist ein von Trieben kontrolliertes Geschöpf. Genauso, wie die Tiere. Ein weiteres Beispiel ist der Selbsterhaltungstrieb. Warum stürzen sich nicht einfach alle in den Tod?
Man könnte diese Kette endlos weiterführen, was immer mehr verdeutlichen würde, dass der Mensch dem Tier gleich ist.
Kann man jemanden, der seiner eigenen Spezies schadet gut nennen? Mörder sind ebenso Menschen.
Kann man jemanden, der die menschlichen Fortpflanzungstriebe reizt, intelligent nennen? Models, Symbole der Schönheit, sind Menschen.
Kann man jemanden, der die für ihn überlebensnotwendige Umgebung zerstört nur um sich selbst zu bereichern, vernünftig nennen? Industriegiganten sind Menschen.
Kann man jemanden, der andere psychisch und physisch unter Stress setzt, moralisch handelnd nennen? Bürger sind Menschen.
Dies alles mit Gottheiten zu begründen, welche allmächtig sind und den Menschen als etwas Gutes, als das Ebenbild der Gottheiten geschaffen haben, ist purer Narzissmus, fundiert durch die Natur, denn würde der Mensch überleben wollen, wenn er sieht, wie grausam er ist? Selbst einen Krieg des Menschen gegen den Menschen wird durch irgendeine imaginäre übermächtige Gestalt begründet. Und dadurch der andere Mensch noch für dumm verkauft, um dadurch Kontrolle über ihn zu haben, Macht, wie die Macht eines Alpha-Tieres über sein Rudel.

Man kann sich dies noch beliebig lange ausmalen, um immer wieder zu dem Schluss zu kommen:
Der Mensch ist triebgesteuert, behauptet zu sein, was er nicht ist. Ein Heuchler seiner selbst.
Der Mensch ist kein Mensch. Er ist ebenso ein Produkt der Natur. Er ist ein Tier und sogar schlimmer als das.



Sonntag, 23. September 2012

Warum, Eduard?


Die wohl größte Frage, die sich alle stellten und teilweise noch stellen, nachdem Eduard von uns gegangen bist, ist die Frage: "Warum?"

Warum hast du es getan? Warum jetzt? Warum?

Auch ich habe mich das sehr lange gefragt, obwohl ich die Antwort darauf vielleicht schon wusste.


Im folgenden Text werde ich versuchen die Antwort darauf zu formulieren, sowie weitere "W-Fragen", die damit zusammen hängen, zu beantworten.



Warum?


Diese Frage ist von allen am schwierigsten zu beantworten, wenn es überhaupt jemals eine befriedigende Antwort darauf geben sollte.

Nach all den Gesprächen, die ich mit Menschen, die dich kannten, geführt habe, nach all dem intensiven Nachdenken und ermitteln, kann ich maximal eine Sicherheit von vielleicht 80% dafür angeben, dass ich richtig liege.
Die Unsicherheit dahinter ist vor allem damit begründet, dass Eduard und ich in den Monaten, bevor es geschehen ist, nahezu gar nicht mehr über dieses Thema geredet haben. Das wiederum hat einen anderen Grund.
Jedenfalls hat er sich diesbezüglich mir gegenüber verschlossen und mich in falscher Sicherheit gewogen.

Der Grund nun, warum er es getan hat, lässt sich leider nicht so einfach beantworten, wie sich die Frage stellen lässt. Man muss separieren und differenzieren, da mehrere Faktoren dabei in einem komplexeren Zusammenspiel eine Rolle haben.


Ich separiere zunächst in mögliche physiologische Faktoren und danach in die psychologischen:


Physiologie


Schlaf:

Schon als ich Eduard kennen lernte, fiel mir auf, dass er fast immer sehr müde war. Unausgeruht, als würde er zu wenig Schlaf erhalten. Wir hatten des Öfteren darüber geredet. In den Gesprächen darüber teilte er mir unter anderem mit, dass er schlafen könne, so viel er wolle, es würde nicht das Geringste bezwecken und er würde schon nach einigen Stunden des Wachseins "unbrauchbar" sein. So schlief er bereits sehr früh (beispielsweise um 18 Uhr abends) ein, wenn er es sich auf einem Sofa Zuhause bequem gemacht hatte, wie er mir berichtet hatte.
Innerhalb des letzten Jahres kamen wir auf die Idee, dass es eventuell daran liegen könnte, dass er eine gestörte bzw. fehlende REM-Phasen - oder Tiefschlafphasen - Schlaf hatte, in welchen sich ein Mensch am intensivsten erholt. Wir kamen auf diesen Schluss, da Eduard berichtet hatte, dass er überhaupt keine Träume habe und sich nach dem Schlafen nie wirklich erholt gefühlt hatte.

Die Konsequenz: Alles, was man im Alltag durchlebt wirkt viel anstrengender, wenn man müde ist. Und die damit verbundenen Unlustgefühle werden intensiviert.
Deswegen ist mangelnder bzw. schlechter Schlaf ein Faktor, der u.A. Depressionen begünstigt.

Eine nebensächliche Anmerkung: Ich hatte versucht Eduard dazu zu bewegen ein Schlaflabor aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen. Ich hatte sogar welche für ihn herausgesucht und war bereit Termine für ihn zu machen. Leider hatte er sich dagegen gestellt.


Kopfschmerzen:

Eduard klagte praktisch täglich über permanente Kopfschmerzen, die ihn oft auch an konzentriertem Nachdenken hinderten. Wo die Ursache dafür lag, ist mir bis heute nicht bekannt. Möglicherweise aufgrund des gestörten Schlafes, eventuell auch weil seine Flüssigkeitsaufnahme sich in sehr engen und unterdurchschnittlichen Grenzen hielt, aber vielleicht hatte dies auch gänzlich andere Gründe.
Jedoch hatte er sich deswegen einst untersuchen lassen. Er suchte einen Neurologen auf, welcher lediglich herausfand, dass sein Blut etwas zu dickflüssig war, aber ansonsten alles in Ordnung sei.

Die Konsequenz: Permanente Kopfschmerzen rauben einem sowohl Energie, als auch Nerven. Sodass es zu einem zusätzlichen Verlust von alltäglichem Antrieb kommt. Es wirkt sich somit ähnlich aus wie seine stete Unausgeruhtheit.



Psychologie


Allgemeine Antriebslosigkeit:

Es war bekannt, dass Eduard zu vielen Dingen oft "keine Lust" hatte. Besonders, was das tägliche Vollführen eines schier "grauen" Alltagstrotts anbelangte. So mochte er es beispielsweise nicht früh aufzustehen, um zur Schule zu gehen, da er es als überflüssig empfand. Überflüssig teilweise deswegen, weil er am liebsten direkt studiert hätte, anstatt in lauter Fächern seine "Zeit abzusitzen" (wie er es formuliert hatte), nur damit man dann die offizielle Hochschulreife erhielte. 
Die Gründe dafür, dass es ihm an Antrieb fehlte, der ihn durch das Leben hätte treiben können, liegen teilweise in der Physiologie (siehe z.B.: Schlaf), teilweise aber auch an seinem Menschheits- und Weltbild, wozu ich später in diesem Eintrag komme.

Die Konsequenz: Hat man keinen Grund, oder gar ersichtlichen Antrieb, jeden Tag aufzustehen und zu erfüllen, was von einem erwartet wird, oder was man sich vorgenommen hat, entsteht ein grundsätzliches Unlustempfinden am Leben und jeglichen daraus abgeleiteten Tätigkeiten.


 
Menschheits- und Weltbild:
Eduards Menschheits- und Weltbild war überwiegend negativ geprägt. Zwar kann man nicht direkt sagen, dass er ein reiner Misanthrop war - also jemand, der die Menschheit aus tiefstem Herzen verachtete, allerdings jemand, der der gegenwärtigen Entwicklung der Gesellschaft sehr pessimistisch gegenüber stand.
Er verabscheute erheblich viele Verhaltensweisen, die für einen Großteil der Menschen leider unwiderlegbar typisch sind. Exzessive Handlungen primitivster Triebe, waren dabei nicht einmal der größte Kritikpunkt, den Eduard gegenüber der Gesellschaft hatte. Vielmehr waren es die übergeordneteren komplexeren dunklen Seiten der Menschheit, die sich tagtäglich überall auf der Welt begeben. Damit ist beispielsweise der weit verbreitete Egozentrismus - besonders innerhalb der modernen Konsumgesellschaft - gemeint, der schon seit Jahrtausenden ein großes Übel der Menschheit ist und sie zu hinterhältigen, verabscheuungswürdigen Taten treibt. Deswegen paraphrasierte er - meiner Ansicht nach zurecht - den gegenwärtigen Gesellschaftstypus als "Ellbogengesellschaft", die mit einem stetigen Werteverlust einhergeht.
Dies resultierte keineswegs aus einer übermäßigen Interpretation der Gegenwart, sondern beruhte auf nüchterner Analyse umgebender Geschehnisse, sowie dem Weltgeschehen. Er ist auch einer der Menschen gewesen, der dies nicht ohne weiteres akzeptieren wollte - geschweige denn konnte. Anders als andere wollte er sich nicht in süßen Illusionen wiegen, und den Rest der Welt vergessen, jedoch ließ er diese Dinge leider viel zu sehr an sich heran treten (dazu später mehr in: "Empathie").

Eduard war überdies nicht im Geringsten in irgend einer Form religiös. Im Gegenteil. Er lehnte es ab an Humbug zu glauben, den sich irgendwelche Menschen auf völlig irrationaler und unempirischer Ebene zusammensponnen, sondern pflegte eine streng rationale und wissenschaftliche Denkweise, was sich nicht zuletzt in seiner Begabung für Naturwissenschaften äußerte.
Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass er sich letztlich ebenfalls mit Gedanken zum Sinn und Zweck irdischen Lebens auseinander setzte und zu dem Schluss kam, dass es streng genommen keinen übergeordneten Sinn des Lebens gab.

Die Konsequenz: Ein negatives Menschheits- und Weltbild schlägt sich langfristig im Gemütsempfinden nieder. Man fängt an des Lebens müde zu sein, da man all das Übel, welches man in der Welt zu sehen meint, nicht ertragen möchte, bzw. kann. Es zehrt an den kräften so sehr, dass selbst ein starker Charakter daran zerbrechen kann, sollte er diese Gedanken nicht richtig verarbeiten.


Anmerkung: Dieses nicht ganz unberechtigt negative Bild, welches ich hier kurz zusammengefasst habe, ist wohl einer der größten psychologischen Faktoren, die Eduards Suizidalität intensivierten und - seinem Abschiedsbrief zufolge - auch der Hauptgrund für die letztendliche Umsetzung seiner Todessehnsucht.


Zukunftspesperktive:
Obwohl Eduard in intellektueller Hinsicht herrvoragende Aussichten auf spätere zukünftige Entwicklungen hatte (z.B. was das Studium und den Beruf betrifft), da er außerordentlich begabt in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern war, was er auch selbst wusste und dahingehend viel geplant hatte, sah er gleichzeitig für seine Zukunft in dieser Gesellschaft schwarz. Dies resultierte hauptsächlich aus seinem negativen Mensch- und Weltbild. Er sah schlichtweg keinen Sinn darin in einer Welt zu leben und zu arbeiten, wo er so viel Leid mitbekäme, aber nicht mächtig genug ist, um es zu verhindern.
Ihm war vollstens bewusst, dass er selbst vermutlich eine in finanzieller Hinsicht sorglose Zukunft haben würde, hatte jedoch keinerlei Hoffnung darin, dass sich die Gesellschaft schnell genug so ändern würde, dass sie für ihn "lebenswert" werden würde.

Die Konsequenz: Hoffnung ist eines der wenigen Dinge, die einem Menschen ein gewaltiges Maß an Antrieb geben kann, fehlt diese jedoch, ist jemand also "hoffnungslos", kann dies Suizidalität auslösen, oder eben intensivieren, sollte sie bereits aus anderen (verwandten) Gründen bereits vorhanden sein.



Emotion & Empathie:

Alle Menschen, die mit Eduard zu tun hatten - mich eingeschlossen -, erlebten ihn als einen sehr einfühlsamen, friedliebenden und verständnisvollen Menschen. Er war ein idealer Gesprächspartner, mit dem man über seine Sorgen und Probleme reden konnte, ein ausgezeichneter Freund, der jemandem in allen Situationen des Lebens Halt geben konnte und dem man blind vertrauen konnte.
Wohl auch wegen dieser Eigenschaft öffneten sich ihm gegenüber Personen, die ansonsten stark introvertiert sind. Alle schätzten seinen Charakter sehr.
Sein Empathievermögen artete allerdings leider oft darin aus, dass er nicht bloß "Mitleid" hatte, sondern wortwörtlich "mit gelitten" hat. Diese Sensibilität, die mitunter dazu führte, dass er Weltschmerz hatte, war höchstwahrscheinlich auch ein großer Mitfaktor, der ihm zum Verhängnis wurde. Auf der einen Seite ein Segen, auf der anderen ein Fluch. Eduard hat sich nicht nur das Weltgeschehen, sondern vor allem Krisen aus seinem persönlichen Umfeld sehr zu Herzen genommen. Beispielsweise war er nicht in der Lage eine gewisse Distanz zu den Leidensgeschichten von Menschen zu wahren, mit denen er sich unter anderem in Suizidforen austauschte - oder er wollte es nicht.
Nicht nur seine Mutter, sondern auch ich, konnten merken, dass seine Gemütslage sich seit dem regelmäßigem Aufenthalt in Suizidforen und -chats signifikant verschlechtert hatte, was seine Depression und Suizidalität konsequenterweise nur verstärkte.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang ist der andere Teil seiner Gefühlswelt.

Mir gegenüber behauptete er oft keine, oder kaum, Gefühle zu verspüren, außer große Unzufriedenheit und Unglückseligkeit mit dem Leben. Auch wenn man oft den Eindruck hatte ihn fröhlich zu erleben, so war es - wenn nicht gespielt, um niemanden merken zu lassen, wie es ihm tatsächlich geht - nur temporär und nicht konsistent genug, als dass er tatsächlich "wahres" Glück empfunden hätte, welches vielleicht seinem Leben mehr Farbe gegeben hätte und ihn davon hätte abhalten können den Weg zu gehen, den man nur einmal beschreiten kann.
Die negativen Aspekte, die er in seinem Leben wahrgenommen hatte, waren deutlicher und beständiger, als die Momente der Freude, welche sich rasch verflüchtigten.
Ganz wenige andere, sowie ich, haben zudem ein selbstverletzendes Verhalten bei Eduard wahrgenommen, welches er damit begründete, um "etwas anderes zu fühlen". Und den selbst zugefügten Schmerz empfand er als angenehm und "befreiend". Jedoch ist dies auch ein komplexeres Produkt mehrerer Faktoren seiner Depression.

Die Konsequenz: Die Menschen streben bewusst oder unbewusst nach Glückseligkeit. Erreichen sie diese nicht, verfallen sie in schwermütige, gar depressive Gemütslagen. Eduard hatte großes Unglück durch sein hohes Empathievermögen gespürt, was letztlich dazu beitrug, dass er außer diesem Leid kaum noch positive Empfindungen hatte, oder wahrnahm. Darüber hinaus hatte er diese emotionalen Regungen falsch verarbeitet. Statt sich ein wenig davon zu distanzieren und etwas konstruktives daraus zu entwickeln, ließ er sich davon stark affektieren, was destruktive Auswirkungen auf seine gesamte Psyche hatte. Man könnte sagen, dass er sich selbst und seinen Gefühlen schier wehrlos ausgeliefert war.



Letztlich Depression:

All diese Faktoren, die ich bisher zusammenfassend dargestellt habe - und nicht sicher bin, ob ich etwas ausgelassen habe - führten in ihrem komplexen Zusammenspiel dazu, dass man ihn als depressiven Menschen einstufen konnte, der rasch eine Suizidalität entwickelte. Er war das Leben leid und begann bereits früh damit sich mit suizidalem Gedankengut auseinander zu setzen, sodass es für ihn mit der Zeit zunehmend Gestalt annahm. Die depressive Grundstimmung und die damit verbundenen Faktoren, die er jeden Tag in sich hatte, wurden wohl eines Tages stark genug, um ihn endgültig dazu zu treiben einen längerfristigen Plan auszutüfteln, der ihm zu einen von ihm erdachten "günstigen Zeitpunkt" den Tod bescheren würde, was er leider als einzigen Ausweg aus seiner Misere sah und sich dort nicht reinreden ließ. Er wollte es so und ließ sich nicht aufhalten. Eduard meinte einst zu mir, dass er sich dafür hassen würde, dass er mitverantwortlich dafür wäre, dass es Menschen gab, die ihn mochten, da er wusste, dass diese sehr leiden werden, sollte er eines Tages gehen. Aber auch diese Reue, die er verspürte, war nicht stark genug, um den Todeswunsch in sich zu ersticken.
Leider...
Ich habe mein möglichstes getan, um ihn von diesem Weg abzubringen, aber bin gescheitert und denke, dass ich vielleicht hätte mehr tun sollen. Was auch immer dieses "mehr" gewesen wäre...



Es ist mir bewusst, dass selbst mein Versuch hier eine Antwort auf das große "Warum" zu geben, nicht zufriedenstellend sein kann. Denn hinter jedem Antwortpartikel steht wieder ein "Warum?", oder "Wieso? Woher kommt das?". Aber so könnte man das eine lange Zeit weiterführen, bis man irgendwann bemerkt, dass es im Nichts endet. Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem es keinerlei plausible Antwort mehr gibt. Deswegen sollte man versuchen sich mit dem, was man an Informationen hat, "zufrieden zu geben", um sich eine weitere Serie aus Schmerz und Trauer zu ersparen und die Gegenwart akzeptieren, wie sie ist, sowie versuchen einen Weg zu finden in ihr zurecht zu kommen.



Im Folgenden nun die (möglichen) Antworten auf weitere Fragen.



Wann?


Die Entwicklung einer suizidalen Depression beginnt schleichend. Man kann nicht genau sagen wie lange es dauert, bis bei einem Menschen bestimmte Gedanken zu der endgültigen Entscheidung ausarten.
Von Eduards Suizidgedanken habe ich relativ früh erfahren. Bereits nach wenigen Monaten unserer Bekanntschaft kamen wir irgendwie auf dieses Thema. Allerdings dachte ich für eine lange Zeit, dass es nur Gedanken sein würden, die bei Gedanken bleiben würden, aber nicht zu Taten ausschreiten. Heute erkenne ich, dass ich leichtsinnig und naiv war.
Als ich ihn fragte, seit wann er diese Gedanken habe, also wann es angefangen hatte, antwortete er, dass er erstmals mit etwa zehn Jahren angefangen hatte ein negatives Weltbild zu entwickeln und es nicht lange dauerte, bis sich erstmals Gedanken, die sich mit dem Tod - mit seinem Tod - befassten, bemerkbar machten. Wie auch in seinem Abschiedsbrief - wenn man das so nennen kann - teilte er mir mit, dass er es sich bereits seit vielen Jahren nüchtern überlegte, da er diese Entscheidung nicht leichtfertig fällen wollte, sondern wohl durchdacht und nicht von wilden Gefühlsregungen geritten.

Das erste Mal, als er es (fest beschlossen) vorhatte, war am 23.01.2012, was er (glücklicherweise) letztlich doch nicht getan hatte.


Der Tag der Tragödie war der 16.05.2012. Es geschah vermutlich zwischen 12 und 17 Uhr nachmittags.


Heute vor fast exakt 4 Monaten begann seine Bestattungszeremonie.



Wo?

Er führte seinen Selbstmord in der Wohnung durch, in welcher er mit seiner Mutter zusammen lebte. Genauer: In seinem Zimmer. (Für weitere Informationen diesbezüglich, siehe: Animus de Lupus Terre - Schock)




Die Antwort auf die folgende Frage sollten Sie, sehr verehrter Leser, sich nur durchlesen, wenn Sie einen stabilen Charakter besitzen, der es Ihnen ermöglicht die folgende Information zu verkraften. Ansonsten sollten Sie die Antwort auf die folgende Frage besser nicht durchlesen.


Wie?

Eduard hat sich mittels KCN (Zyankali - auch bekannt als "Blausäure") umgebracht. Er hat es sich den Ermittlungen zufolge selbst hergestellt. Begabt in den Naturwissenschaften war er schließlich, sodass dies wohl keine allzu große Herausforderung für ihn gewesen sein muss. Er hat es offensichtlich als Dampf eingeatmet.
Die Wirkung von KCN gleicht einer Art Erstickungstod. Der Wirkstoff bindet irreversibel sich an Eisen(III)-Ionen eines Enyms, welches für die Zellatmung verantwortlich ist. Damit blockiert der Wirkstoff die Sauerstoffbindung und die Zellatmung kommt zum erliegen, wodurch Symptome einer Suffokation (Erstickung) entstehen.
Der Tod durch KCN ist somit qualvoll und unumkehrbar. Sollte man sich in letzter Sekunde dagegen entscheiden, ist es zu spät. Hat man es einmal eingenommen, gibt es kein Zurück mehr...



Auch aus der Antwort auf die letzte Frage resultierend, frage ich mich etwas, worauf ich keine Antworten gefunden habe und wohl auch nie finden werde: 

Was ging ihm in den letzten Minuten durch den Kopf, und was in den letzten Sekunden? 

Was wäre, wenn ich etwas anders gemacht hätte?

Letztlich werde ich die Antworten auf diese Fragen wohl niemals in Erfahrung bringen können. Ich weiß nicht einmal mit absoluter Sicherheit, ob ich mit meiner Antwort auf die Frage "Warum?" richtig liege. Aber was bleibt mir anderes übrig, als mich damit irgendwie abzufinden..?



Ich schließe die von mir geplante Reihe, die ausschließlich Eduard gewidmet ist, hiermit mit diesem Eintrag ab. Gewiss werde ich auch in Zukunft Werke verfassen, die ich gänzlich Eduard widme. Doch diese ununterbrochene Reihe aus 7 (8) Einträgen soll nicht nur eine Art Ehrung darstellen, sondern sollte auch mir bei der Verarbeitung meiner Trauer dienen. Ich hoffe, dass vielleicht auch andere, die diese Blogeinträge lesen, dem etwas abgewinnen können.



- Es wird kein Tag vergehen, an dem ich nicht an dich, Eduard, denken werde...


Lupus Terre


 

Sonntag, 16. September 2012

Akzeptanz


Heute, Eduard, hättest du Geburtstag.
Heute, mein lieber Freund, wärst du 19 Jahre alt geworden.
Heute, mein Bruder, bist du aber nicht hier.
Vor nunmehr 4 Monaten geschah es, als die Welt für mich unterging, weil du beschlossen hattest deinem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen.
Die gesamte Zeit seitdem gleicht postapokalyptischen Zuständen - zumindest in der Gefühlswelt.
In den Menschen, die dir nahe gewesen sind, ist nur noch eine leblose, trockene Wüste voller Trümmer vorzufinden.
manche sogar, wissen nicht mehr, was das Wort "Freude" bedeutet.
Der Tag, jener Tag erschütterte uns und riss nicht bloß ein gewaltiges Loch in unsere Herzen, sondern verfärbte es auch schwarz.
Wir bluten, wir weinen, wir trauern still, aber wir lachen nicht.
Wir vermissen dich so sehr, dass wir manchmal denken, dich irgendwo munter umher wandern zu sehen. Doch dies stellt sich als bittere Enttäuschung dar, und auf den süßen Geschmack der Freude dich wiederzusehen, folgt ein erbitterter Schlag, der uns wieder zurück in die beklemmende Finsternis stößt, aus der wir versuchen zu entkommen.
Es ist schwer, hart, gewaltig. Keine Worte könnten diesen Zustand angemessen beschreiben. Keinem Feind würde ich das wünschen. Niemand sollte erleiden müssen, was wir wegen dir erleiden. Niemand kann einem wirklich helfen, sobald man in das Loch gestürzt ist. Man muss es alleine - aus eigener Kraft - schaffen. Und es braucht viel Zeit. Zeit, die für die einen endlos zu sein scheint.
Es nagt an den Kräften, bis man keine mehr hat, um zu trauern, und keine für irgendetwas anderes. Man sitzt nur noch da und während man vor sich hin vegetiert, schreitet der innere Zerfall voran, der mit schwelender Hitze auch die letzten Fragmente einer zerbrochenen Person - wie wir sie sind - zu verbrennen weiß, sofern man es nicht schafft sich dagegen zu wehren, sich nicht gegen die fortschreitende Zerstörung zu verteidigen weiß, nicht in der Lage ist wenigstens sich selbst zu retten, wenn man schon nicht mächtig genug ist, andere zu retten. Doch es ist schwer darüber zu stehen, noch schwerer ist es, überhaupt dort hin zu kommen, wo man vor dem Schaden, den du angerichtet hast, Eduard, auch nur in Ansätzen sicher ist.
Vielleicht ist es unsere Schuld, dass wir dich so sehr in unsere Herzen geschlossen haben. Aber vielleicht ist es doch deine Schuld, da du keine Rücksicht genommen hast.
Es mag sein, dass viele denken, diese Tat sei eine rein persönliche Entscheidung. Doch das ist sie nicht. Alle Menschen sind in einem komplexen Netz aneinander angebunden, fällt einer aus diesem heraus, sind besonders jene betroffen, die dieser Person am nächsten standen. Es ist also keineswegs eine rein persönliche Entscheidung, es ist eine egoistische, die verheerenden Schaden anrichtet.
Und doch hast du es getan. Zuerst will man dies nicht wahrhaben und denkt, es sei eine Illusion, eine falsche Realität, aus der man wie aus einem Traum bald aufwacht. Doch man wacht nicht auf, man hört nicht auf diesen Schmerz zu spüren, man stellt bitter fest, dass diese falsche Realität nicht falsch ist, man merkt, dass es wahr ist, so sehr man sich auch etwas anderes wünscht und letztlich muss man sich in dieser Realität zuirecht finden.

Ich für meinen Teil kämpfe nicht mehr dagegen an und versuche nicht mehr mich vergeblich an der Vergangenheit festzuhalten, an dem, was ich mal war, was wir mal waren.
Ich öffne meine Augen der Gegenwart, der Realität, wie sie ist.
Eine Realität ohne dich.
Ich akzeptiere mit großem Schmerz, der mit jedem Atemzug in meiner Seele sticht, dass du fort bist und nie mehr wiederkehren wirst.
Ich akzeptiere es, dass du mich und die anderen verlassen hast und ich nichts tun kann, um das rückgängig zu machen.
Ich akzeptiere die Realität, wie sie ist.
Wenngleich ich es niemals werde gutheißen können,
akzeptiere ich, dass du tot bist.

Ich werde dich stets in Erinnerung behalten, mein Freund,
und unsere gemeinsamen Erlebnisse niemals vergessen.


Lupus Terre


 

Sonntag, 19. August 2012

Trockenheit


Nicht nur die sengende Hitze dieser Tage sorgt dafür, dass Flora & Fauna auf schmelzendem Asphalt vor sich hin siechen, auch im Inneren ist eine Dürre eingekehrt, die jegliche Regung in der Gefühlswelt in eine emotionslose Wüste wandelt.
Die Unsäglichkeiten immer noch gegenwärtiger Zeiten haben die Monumente im Inneren niedergebrannt und nun findet sich dort nichts weiter als ein Wind aus Asche, der über verdorrten Boden weht.
Das Feuer hast du gelegt, Eduard, liebster Freund von allen.
All die Tränen, die ich vergossen habe, konnten dieses Feuer nicht löschen. Unermüdlich brannte es weiter, bis absolut alles in mir Asche ward.
Was ist mir geblieben?
In meinen Händen halte ich die trockene heiße Erde, die letzten Zeugen dessen, worauf dereinst ein Paradies thronte, welches durch dich gedieh.
Das Feuer brannte alles nieder, und was von ihm noch nicht vernichtet wurde, wandelt sich immer mehr in kohlige, glühende Reliquien, welche auch mehr und mehr diesen Flammen, die du gesät, nachgeben. Nichts ist stark genug, um dem zu widerstehen.

Ich laufe über die Asche meiner selbst, schmiege meine Füße an die Weißglut, der ich begegne, aber spüre keinen Schmerz mehr. Denn auch das, was dereinst dafür verantwortlich war mir den Schmerz zu erklären, ist unter deinen Flammen untergegangen. Nur noch verbranntes Fleisch kann ich dann riechen, aber Dumpf ist mein Gemüt, Dumpf ist mein Empfinden, vernichtet, vertrocknet, leer.
Fühle keine Angst, fühle keine Hoffnung, fühle kein Wohlsein, fühle kein Unwohlsein.
Zwischen zwei Welten bin ich gefangen, wandle auf einem schmalen Grat, der einen Seite ein Schwert gestellt, der anderen Seite fremde Erinnerungen nur.

Trockenheit ist über mich eingekehrt. Durch und durch bin ich verdorrt. Meine Tränen verdunsten, ehe es mir möglich ist sie aus meinen Augen treten zu lassen. Denn im Inneren dieser sonnengleiche Hitze bereits jedes Gemüt entweicht.
Was ist mir geblieben?
Ein verdunstender salziger See, die Quelle meiner Tränen, die unter dem Feuer schwindet, und die Arie einer vereinsamten Witwe, die in den lodernden Flammen vor Schmerzen schreit, nicht singt.
Ein Inferno, kein Feuerwerk, in der Welt aus meinem Inneren.

Und ich frage dich erneut:
Was ist mir geblieben?
Ein Name auf ein Schild graviert,
ein stiller Ort nicht weit entfernt,
ein Haufen toter Erde zu meinen Füßen
und Grabsteine ringsum zum Grüßen.
Nur die Rede in meinem Kopf,
mit dir, dem, der du mal warst.
Ein Kampf um Erinnerungen,
ein Kampf um dich.
Der Versuch dich bei mir zu halten,
doch deine Flammen hindern mich...


Lupus Terre



Donnerstag, 31. Mai 2012

Laudatio ad Eduard

Dies ist die Rede, die ich anlässlich der Bestattung meines besten Freundes Eduard verfasst hatte. Mir wurde zugesprochen, dass sie gelungen sei, auch wenn ich der Ansicht bin, dass diese Worte bei Weitem nicht genug sein werden... Die Bestattung war am 23.05.2012... 7 Tage nach seinem Tod...

 
An Tagen wie diesen, an denen uns der schmerzliche Verlust eines geliebten Menschen widerfährt, werden wir uns vielerlei Dinge bewusst. Wir werden uns bewusst, wie wertvoll ein einziges Leben sein kann. Wir werden uns bewusst, wie viel Freude, aber auch wie viel Leid so ein Leben mit sich bringen kann. Und wir werden uns bewusst, dass wir jede einzelne Sekunde eines solchen Lebens miterleben möchten.
An Tagen wie diesen, an denen wir als Freunde und Verwandte in Frieden zusammenkommen, um gemeinsam von diesem geliebtem Menschen Abschied zu nehmen, treten diverse Dinge zum Vorschein. Dinge, welche sich als starke Bänder der Freundschaft und der Liebe offenbaren. Es treten Dinge zum Vorschein, die davon zeugen, was dieser geliebte Mensch in uns hinterlassen hat. Und es treten Dinge zum Vorschein, die unwiderlegbar davon zeugen, wie groß das Loch ist, das dieser Verlust in unsere Herzen gerissen hat.
An Tagen wie diesen, fällt es schwer zu begreifen, was geschehen ist, und warum.
An Tagen wie diesen, fällt es schwer zu akzeptieren, und loszulassen.
An Tagen wie diesen, fällt es schwer Worte zu finden, die diesen Verlust beschreiben könnten.
Es gibt keine Worte, die den Verlust unseres geliebten Freundes Eduard auch nur im Geringsten angemessen beschreiben könnten.
Zu groß ist der Schmerz, der sich durch unsere Knochen bohrt.
Zu groß ist die Trauer, die unseren Geist erfüllt.
Zu groß ist der Wunsch, die Zeit zurückzudrehen, nur um noch ein mal sein Lächeln sehen zu können.

Aber Eduard hätte nicht gewollt, dass wir so sehr um ihn trauern. Auch wenn er gewusst hat, dass viel Leid entstehen würde, sollte er eines Tages nicht mehr unter uns weilen, hätte er nicht gewollt, dass wir weinen und hätte nicht gewollt, dass wir so sehr leiden. Denn genauso sehr wie jeder Einzelne von uns ihn geliebt hat, so sehr hat er auch uns geliebt.

Für jeden von uns war Eduard ein anderer. Für jeden von uns hatte Eduard eine andere Bedeutung. Aber für jeden von uns war Eduard ein Mensch, den man nicht verlieren wollte.
Für mich war Eduard nicht bloß ein Mitschüler und nicht bloß ein Freund. Nein, für mich war Eduard viel mehr als das. Er ist der beste Freund gewesen, den ich je hatte. Er war für mich wie ein Bruder und ist somit einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben gewesen.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich ihn damals kennengelernt habe. Es war der zweite Schultag in der Stufe 11. Es war mein zweiter Schultag in der für mich neuen Schule. Wir saßen in unserer ersten gemeinsamen Chemiestunde nebeneinander. Er ist mir gleich aufgefallen, also hatte ich ihn angesprochen und so lernten wir uns kennen. Es war ein außerordentlich großes Glück für mich, in einer großen unbekannten Stadt gleich einen so guten Freund zu finden. Deswegen erinnere ich mich gerne an diesen Tag. Aber mit großem Schmerz muss ich nun akzeptieren, dass nur die Erinnerung das ist, was mir bleibt, was uns allen von ihm bleibt. Und deswegen sollten wir jede Erinnerung, die wir von ihm haben, festhalten und aufbewahren, damit wir ihn nie vergessen.
Es mag sein, dass ich ihn gerade mal seit drei Jahren gekannt habe, und das im Verhältnis wenig zu erscheinen mag. Doch für mich war es wie eine Ewigkeit. Eduard ist der Mensch gewesen, dem ich so sehr vertraut habe wie keinem anderen auf der gesamten Welt. Er war mein Seelenverwandter, mein Kamerad in jeder Lebenslage, mein Weggefährte, mein Bruder.

Eine seiner guten Eigenschaften war die, dass er immer für seine Freunde da war, wenn es ihnen nicht gut ging. Selbst dann, als es ihm selber nicht besser erging. Eduard war selbstlos und stets hilfsbereit. Man konnte sicher sein, dass man immer auf ihn zählen konnte, egal welche Hürde sich im Leben offenbaren würde. Man konnte mit ihm lachen und man konnte mit ihm weinen. Aber man konnte auch einfach nur da sitzen, schweigen, und wissen, dass man aufeinander bauen kann. Er hatte sein Herz am richtigen Ort und war einer der besten Menschen, die ich kenne.
Aufgrund dessen ist dies nicht nur ein enorm großer und schwer zu verkraftender Verlust für die, die ihn kannten, sondern auch für die gesamte Menschheit. Denn seien wir ehrlich: Diese Welt braucht mehr Menschen, die so aufrichtig und gutherzig sind, wie er es gewesen ist.
Die erschütternde Tatsache, dass Eduard nicht mehr Teil des Diesseits ist, macht es nur noch umso schwerer.

Aber er hätte nicht gewollt, dass wir solchen Kummer wegen ihm haben. Also lasst uns auch das als Anlass nehmen, um unser Leben auf eine Art und Weise zu führen, die seinem Andenken gerecht wird und ihn ehrt. Lasst uns versuchen auch in unserem Leben all jene guten Dinge durchzusetzen, die er tagtäglich praktiziert hatte. Auf diese Weise wird er stets in uns präsent sein und unser Leben durchdringen, sodass wir ihn nicht so sehr vermissen müssen, weil er dann allgegenwärtig in uns sein wird.

Eduard ist 18 Jahre alt gewesen, als er uns verlassen hat. Er stand grade mal am Anfang seines Lebens und hatte noch große Pläne. Er wollte Quantenphysiker werden und vielleicht eines Tages Albert Einstein widerlegen. Doch es ist eine tragische Wendung des Schicksals, dass dies wohl nicht mehr geschehen wird.
Für Mitschüler, sowie Lehrer war er das mathematische und naturwissenschaftliche Genie, das stets Noten im oberen Bereich mühelos erreichen konnte. Für seine Freunde und Verwandten war er ein wunderbarer Mensch mit unschätzbarem Wert. Und auch wenn es – wie in jeder Familie – nicht immer rund lief, war er auch ein Sohn, der im Grunde immer seine Mutter geliebt hatte.

An Tagen wie diesen, fragt man sich, was man tun soll. Man will es nicht wahrhaben und hofft, es sei nur ein böser Traum, aus dem man gleich erwacht.
An Tagen wie diesen, fragt man sich, was noch hätte werden können. Wie sein Leben hätte werden können, wie sich die Welt mit ihm zusammen entwickelt hätte.
An Tagen wie diesen, fragt man sich, was wäre wenn. Was wäre gewesen, wenn man etwas anders gemacht hätte, vielleicht hätte sein Schicksal dann einen anderen Pfad eingeschlagen.

Schock, Trauer und tausende Gedanken überkommen uns. Einen Schuldigen im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Er ist das Opfer einer Krankheit gewesen und uns wurde klar gemacht, dass alles eines Tages endet. Der Kreislauf des Lebens. Geburt, Leben, Tod.
Einige Leben enden früher, andere später.
Aber es ist nicht endgültig. Es ist ein Kreislauf. Jedes Ende ist ein neuer Anfang.

Wir werden um den Verlust Eduards trauern, wir alle.
Doch wir müssen daraus neue Kraft und neuen Mut schöpfen, um unser Leben so gut wir können zu führen, das hätte Eduard so für uns gewollt. Denn jedes Leben ist wertvoll, es ist das einzige Geschenk, das uns Menschen gegeben ist.
Erfüllen wir Eduards Wunsch nicht daran zu Grunde zu gehen und leben wir alle gemeinsam für ihn!

Ich werde dich vermissen Eduard,
liebster aller Freunde.
Ich werde dich niemals vergessen Eduard,
du wirst in meinem Herzen wohnen.
Ich hoffe es geht dir nun besser,
wo auch immer du nun sein magst.
Vielleicht werden wir uns eines Tages wiedersehen.
Und dann werden wir wieder gemeinsam sein,
werden gemeinsam weinen können,
und werden gemeinsam lachen.

Lebewohl, bester Freund und Bruder!
Lebewohl, Eduard!



by Lupus Terre 


Eduard

16.09.1993 - 16.05.2012
18 Jahre 8 Monate
6817 Tage 163608 Stunden
9816480 Minuten 588988800 Sekunden

Am 16.05.2012 ist mein bester Freund, der wie ein Bruder für mich gewesen ist, verstorben...

Der Schmerz lässt sich nicht in Worte fassen. Selbst für mich nicht, der doch auf diesem Blog stets Werke publiziert, welche sich auch mit Schmerz auseinandersetzen. Es liegt daran, dass nicht mal sämtliche Worte und Sprachen, die es auf dieser Welt je gegeben hat diesen Schmerz angemessen beschreiben könnten.

Meine nächsten 7 Einträge auf diesem Blog, werden sich konkret mit diesem schmerzhaftem Verlust Eduards befassen. 7 Einträge, 7 eine allseits bekannte Zahl mit bestimmten Bedeutungen. Der 7te Eintrag wird die 90. Veröffentlichung auf diesem Blog sein... leider kein Anlass zur Freude, da er von abgrundtiefer Trauer überschattet wird.

Sie werden voraussichtlich folgende Titel tragen:

1. Laudatio ad Eduard
2. Schock
3. Angst & Wut
4. Konfrontation
5. Verzweiflung (Nachtrag: Der Titel wurde durch den Titel "Trockenheit" ersetzt)
6. Akzeptanz
7. Warum, Eduard?

In welcher literarischen Form sie verfasst werden, steht jetzt noch nicht fest. Ausser bei 1...


Niemals werde ich dich vergessen, Bruder, und stets werd ich dich in Ehren halten!

Lupus Terre



Samstag, 7. Januar 2012

Der Wille

 
Ich will.

Ich kann.

Ich werde.

Und alles,

was sich mir dabei in den Weg stellt,

wird ausgelöscht.



Diese Phrasen gehen mir bereits seit einigen Tagen immer und immer wieder durch den Kopf.
Ich bin es Leid mich an Situationen aus naher und ferner Vergangenheit zu erinnern, in denen ich tatenlos zugesehen habe wie etwas geschehen ist, was hätte verhindert werden können, hätte ich mich nicht meiner erbärmlichen eigenen Handlungsohnmacht hingegeben, sondern hätte ich gehandelt.
Ich bin es Leid mitzubekommen, wie andere meinen Fehler begehen und damit zu selbstverschuldeten Opfern ihrer eigenen Schwäche werden.
Ich bin es Leid ständig mit Lebenslagen konfrontiert zu werden in denen ich endgültig zu verzweifeln drohe, und das nur, weil ich nicht stark genug bin sie zu meistern.
Ich bin das alles Leid!!!
Ich habe beschlossen mich nicht weiter damit abzugeben, wenn etwas in meinem Leben ist, wie es mir nicht passt, und ich habe nicht vor, jemals wieder Jemanden in seiner Schwäche zu bestärken. 
NEIN! Das alles ist von nun an vorbei!
An dieser Stelle ein Zitat: 
„Ich weiß, was es heißt zu leiden. Einst war auch ich ein Opfer. Doch ich habe mich geweigert, meinen Platz im Leben zu akzeptieren. Ich bin stark geworden. Die, die Opfer sind, können dafür niemand anderem die Schuld geben als sich selbst. Sie verdienen kein Mitleid. Sie sind Opfer, weil sie sich mit ihrem eigenen Unvermögen und ihren Schwächen abgefunden haben.“
- Aus dem Buch "Star Wars: Darth Bane - Dynastie des Bösen", von Drew Karpyshin.
Zwar ist es lediglich ein Science-Fiction Roman, doch diese Worte entsprechen mehr der Wahrheit als man glauben mag. Sie waren letztlich die Worte, die vor Monaten eine Saat sähten, welche vor einigen Tagen eine kräftige Ernte erbrachte.
Auch ich habe gute Bekanntschaften mit Leid gemacht. Leid, dass sich die meisten Menschen nichteinmal in ihren groteskesten, brutalsten, abscheulichsten, schlimmsten Alpträumen vorzustellen vermögen. Auch ich weiß, was "Leid" bedeutet, was es heißt wirklich zu leiden. Und auch ich hatte Situationen, in denen ich Opfer von Umständen war, oder Opfer meiner Selbst. Aber auch ich habe mich oft geweigert das zu akzeptieren und habe gekämpft. Dennoch gab es öfter, als es mir genehm ist, Rückschläge. Von diesen jedoch soll es nunmehr niemals mehr welche geben! 
Ich weigere mich jemals wieder aufzugeben!
Was auch immer kommen mag, was auch immer mich in Abgründe reissen will, tiefer als die tiefste Schwärze selbst, was auch immer mich quälen will, mich leiden sehen will, mich zum Opfer machen will, nichts, und ich meißle es in meine Knochen, auf dass es ewig bleibt: Nichts, wird mich jemals wieder zur Schwäche verleiten!!!


Ich WILL,
also kann ich!
Ich KANN,
also werde ich!
Weil ich WERDE,
wird alles, was sich mir in den Weg zu stellen wagt,
erbarmungslos und kaltblütig ausgelöscht! 

Was ich mir zum Ziel setze, werde ich erreichen.
Weil ich etwas erreichen will, werde ich in der Lage sein es zu erreichen.
Weil ich in der Lage sein werde es zu erreichen, werde ich es auch erreichen.
Für jedes Problem, werde ich eine Lösung finden.
Jedes Hindernis, werde ich überwinden.
Und jeder Widerstand, wird ausgelöscht.


Dies ist eine Kampfansage an dich, Welt! Sowohl dich, als auch deine Lakaien, sowie meine persönlichen Schwächen selbst, werde ich vernichtend schlagen!!!
Ich habe einen Willen, der unzerbrechlich ist.
Ich werde kämpfen, so stark mein Wille mich befähigt.
Und wenn ich Nächte, Wochen, Monate, gar Jahre, zu kämpfen habe, so werde ich kämpfen! Und niemals werde ich erschöpfen, weil Erschöpfung eine Schwäche ist, die mein Wille mit eiserner Faust eliminiert.
Über jede Schwäche werde ich hinaus wachsen und an neuer Stärke gewinnen!
Jeden Kampf, der sich mir stellt, werde ich triumphierend bezwingen! 
Und absolut nichts und niemand, kann mich jemals aufhalten!
Nichts wird sich mir in den Wege stellen ohne von mir zu Asche und Staub zermalmt zurückzubleiben! 
Nichts kann und nichts wird mich jemals hindern!

Und sollte es dennoch jemals dazu kommen, dass ich meiner Schwäche erliege, mich mit meiner Unfähigkeit abgebe, mein eigenes Leben mit stahlharter Hand in den Griff zu nehmen, so habe ich fürwahr nichts anderes verdient als den erbarmungslosen herzlosen wahrlich wahrhaftigem Tod selbst!

Denn die Opfer verdienen kein Mitleid, denn sie sind nicht gewillt sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien und wahre Stäke zu erlangen. Sie verdienen kein Erbarmen und keine Rücksicht, denn sie lassen sich von ihren Schwächen dazu verleiten ihren Willen nicht durchzusetzen.
Sie selbst tragen die gesamte Schuld an ihrem eigenem jämmerlichem Versagen. Sie können nichts und niemandem diese Schuld anlasten, denn sie selbst sind es, die sich nicht aus ihr befreien wollen.

Die Vielen reden laut, sie würden leiden. Aber sie können nicht allen ernstes wissen, was Leid bedeutet. Denn wüssten sie es, so wären sie fest entschlossen sich aus ihrem Leid zu befreien und ihre grausamen Dornenketten zu zertrümmern. Sie würden sich sonst nicht ihrem Unvermögen hingeben und sich untätig mit ihrem erbärmlichen Schicksal abfinden. 
Nein!
Sie würden kämpfen! Sie würden jedes Leid bekämpfen und zu neuer Stärke gelangen!
Sie würden mit ihrer Macht allem Widerstreben eine vernichtende Niederlage bereiten und sich selbst in größten Siege führen!
Aber tun sie es nicht, haben sie ebenfalls nichts anderes verdient, als den Tod!!! Denn nur dieser erlöst sie ihrer armseligen Schwäche!

Nur der starke Wille führt zum vernichtenden Sieg.
Und selbst wenn es das Ende Allens bedeutet, werde ich mit ungezähmter Wucht gewaltiger, unverwüstlicher Willenskraft kämpfen und als Sieger hervorgehen, oder sterben und zum Nichts werden.
Denn:

Ich will.
Ich kann.
Ich werde.
Und alles,
was sich mir dabei in den Weg stellt,
wird ausgelöscht.

Ich werde siegen und all meine Ketten werden zerbersten!
Und mit neuer Macht werde ich mein Sein regieren!




- by Lupus Terre (DLNT) -

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Dinge, die ich Dir gerne sagen würde


Ich widme diese Worte an Dich.

Es gibt so vieles, 
was ich Dir sagen möchte. 
Aber ich habe Angst, dass, 
wenn ich es Dir sage, 
es etwas kaputt machen könnte, 
Dich abschrecken könnte, 
sodass Du Dich
distanzierst.
Ich will nicht,
dass wir uns verloren
gehen.
Aber ich habe das Gefühl,
dass wir das bereits tun.
Ich weiß nicht, was ich tun kann,
um das zu stoppen.
Ich weiß nur, dass ich ohne Dich,
verloren bin.
Es gibt so vieles,
was ich Dir so gerne sagen will,
doch sage ich es Dir nicht,
weil ich Angst habe,
Du würdest es nicht verstehen.

Wir kennen uns nun schon
eine ganze Weile.
Wir haben einiges
miteinander erlebt.
Wir haben schon viel
miteinander geredet.
Und da wurde mir bewusst,
was für ein wundervoller Mensch
Du sein kannst.
Du hast
so einen starken
und energiereichen
und lebensfrohen
Charakter.
Wo ein Weinen ist,
kannst Du ein Lächeln
zaubern.
Wo man es nicht erwartet,
kannst Du mich 
zum Lachen bringen.
Wo es mir schlecht geht,
schaffst Du es,
mich gut zu fühlen.
Zu sagen, dass Du wunderschön bist,
so elegant und zart,
wäre unnötig.
Denn Du strahlst nicht nur durch Dein Antlitz,
sondern vor Allem durch das,
was in Dir wohnt.
Selbst wenn ich blind wäre,
würde ich Dich so sehen. 
Du hast so ein sanftes,
liebenswertes
und gutherziges Gemüt,
dass ich Dich
nie vergessen kann.
Ich weiß nicht, 
was es ist,
das mich ausgerechnet in Deinen Bann zieht.
Ich weiß nicht,
warum gerade Du 
so magisch bist.
Ich weiß nur,
dass es so ist,
und dass ich Dich nicht verlieren will.
Aber ich habe Angst,
dass ich Dich bereits verliere.

Ich muss so oft
an Dich denken.
Stets bist Du
in meinen Gedanken.
Weißt Du eigentlich,
wie sehr ich mir den Kopf
wegen Dir
zerbreche?
Weißt Du eigentlich,
dass ich jeden Tag,
mindestens einmal
an Dich denke
und mich frage,
wie es Dir geht,
ob Du glücklich bist,
oder ob Du Sorgen hast?
Weißt Du eigentlich,
dass ich mir um alles in der Welt
wünsche,
dass Du glücklich bist?
Weißt Du eigentlich,
wie viel ich tun würde,
nur um ein Lächeln
auf Dein Gesicht
zu zaubern?
Und weißt Du,
wie schlecht ich mich fühle,
und wie wütend ich bin,
wenn es jemanden gibt,
der Dich unglücklich macht,
weil er nicht sieht,
mit welch einem wunderbaren Menschen,
er zu tun hat?

Nicht nur in meinen Gedanken bist Du,
immerzu erscheinst Du
auch in meinen Träumen.
Als diejenige,
die unerreichbar
vor mir davon läuft,
und das, obwohl
ich so viel
für Dich empfinde.
Und das, obwohl
ich so viel für Dich sein könnte.
Kein Anderer denkt wohl so sehr an Dich,
wie ich.
Kein Anderer weiß Dich wirklich
zu schätzen.
Kein Anderer würde so viel für Dich tun,
wie ich.
Ich habe Seiten, 
welche Du noch nicht kennst,
Seiten, die Du vielleicht kennen willst,
denn Dir wird etwas entgehen,
kennst Du sie nicht,
weil ich diese Seiten
nicht jedem zeige.
Es kommt oft vor,
dass ich mich in Deiner Gegenwart
absolut dumm verhalte,
weil ich unsicher bin, wie Du reagierst;
weil ich Angst habe, etwas falsch zu machen,
weil ich nicht weiß, wie Du mich siehst.
Es ist auch nicht selten, 
dass ich das, was in mir wohnt,
nicht nach Außen durchdringen lasse,
weil ich nicht will,
dass Du Dich deswegen distanzierst,
und weil ich nicht will,
dass es Dir unangenehm wird,
und weil ich nicht will,
von Dir verletzt zu werden, wenn Du es ablehnst.

Ich muss so oft
an Dich denken,
dass es fast schon wirkt,
als sei ich von Dir besessen.
Überall, wo ich bin
taucht entweder Dein Name auf,
oder es gibt etwas anderes,
was mich an Dich erinnert.
Es ist, als wäre ich
paranoid.
Es treibt mich
zum Wahnsinn.
Ich, ich werde
wahnsinnig.
Weil ich nicht aufhören kann,
mit meinen Gedanken,
mit meinen Gefühlen,
mit meinem Sein,
bei Dir zu sein.
Es gibt Nächte,
da kann ich nicht schlafen, weil ich
mir so sehr wünsche,
bei Dir zu sein.
Es gibt Tage,
da würde ich am liebsten schreien, weil ich
nicht mit Dir bin.
Es gibt Momente,
da löst sich eine Träne, weil ich
Dich so sehr liebe.

Ich weiß,
Du kannst nichts
dafür.
Ich weiß,
Du trägst keine
Schuld.
Ich weiß,
Du willst nicht,
dass ich mich schlecht fühle.
Deswegen sollst Du,
Dich nicht dafür entschuldigen.
Es kommt mir oft vor,
als würde ich Dich nicht interessieren.
Nichteinmal als ein guter Freund.
Und ich verstehe nicht,
warum.
Es gibt Augenblicke,
da sagst Du, dass Du mich gern hast,
dass ich Dich verstehe,
dass ich der Beste sei.
Und dann gibt es Augenblicke,
wo Du Dinge sagst, die mich verunsichern,
wo Du Dich so verhältst, dass es Deinen Worten widerspricht,
wo Deine Ambivalenz, mich rätseln lässt,
und mich wahnsinnig macht,
mich fragen lässt, woran ich bin,
mich fragen lässt, was eigentlich los ist,
mich fragen lässt, ob Du mir die Wahrheit sagst.
Das hat oft die Folge,
dass ich wütend bin,
oder verletzt,
enttäuscht,
und mich dann ganz komisch,
Dir gegenüber verhalte,
obwohl ich das eigentlich nicht will,
obwohl ich eigentlich nur will,
dass Du mich richtig kennenlernst.
Dass Du erkennst, 
wer ich bin.
Und dann verhältst Du Dich komisch.
Es ist ein Teufelskreis.
Ich versuche oft,
mich Dir näher zu bringen,
aber Du reagierst komisch,
und es geht von vorne los.
Ich bin verunsichert.
Ich weiß nicht,
woran es liegt,
dass ich Dich scheinbar nicht so interessiere,
wie diejenigen, die Dich dann verletzen.
Ich weiß nicht, 
woran es liegt,
dass Du nicht erkennst, 
dass ich mich für Dich
aufopfern würde,
dass ich fast alles tun würde, 
um Dich glücklich zu machen.
Ich weiß nicht, 
warum Du Dich in die verliebst,
die Dich verletzen.
Vielleicht ist es das, 
was sie attraktiv für Dich macht.
Aber vielleicht bist Du auch nur
naiv.
Ich weiß nur, 
dass ich traurig bin,
wenn Du traurig bist.
Ich weiß nur,
dass ich mein Bestes geben würde,
Dich nicht zu verletzen.
Denn ich würde Dich niemals,
traurig machen wollen.
Ich weiß nicht,
ob es das ist,
weswegen Du keine Gefühle für mich hast,
obwohl Du sagst,
ich sei der Beste.
Ich weiß nicht,
woran es liegt.
Vielleicht bin ich nicht attraktiv genug für Dich?
Vielleicht magst Du meinen Charakter nicht?
Vielleicht hast Du den Eindruck, ich sei zu düster?
Vielleicht denkst Du, wir könnten nicht glücklich miteinander werden?
Vielleicht glaubst Du, ich wäre zu problematisch?
Vielleicht denkst Du, wir haben noch zu wenig Zeit zusammen verbracht?
Ich weiß nicht,
woran es liegt.
Ich weiß aber,
dass ich nicht viel dafür kann,
wie ich aussehe.
Ich weiß aber,
dass ich mich nicht zu stark verändern will, nur um Dir zu gefallen,
weil ich will, dass Du mich liebst, wie ich bin, und ich mich und Dich nicht belügen will.
Ich weiß aber,
dass Du wohl einige Eindrücke von mir hast,
welche nicht stimmen,
welche Du Dir fehlgebildet hast,
aber welche ich aufklären kann, und Dir zeigen kann,
wie ich bin,
wenn Du es nur wollen würdest.
Ich weiß aber,
dass ich mein Bestes tun würde,
um Dich glücklich zu machen.
Ich weiß aber, 
dass Du mich wohl besser sehen würdest,
würdest Du Dir die Zeit nehmen
und auf mich eingehen,
ohne mich zu verunsichern.

Ich will Dich nicht zwingen,
mich zu lieben.
Ich will Dich auch nicht dazu überreden.
Ich will Dir nur so gerne diese Dinge sagen,
aber ich tue es nicht.
Vielleicht sind wir einfach nur zu verschieden.
Du bist positiv,
ich bin negativ.
Du bist hell,
ich bin dunkel.
Du bist Yin,
ich bin Yang.
Du bist weiß,
ich bin schwarz.
Wir sind einander Gegenpol.
Manchmal will ich Dich,
einfach nur küssen,
um Dir dadurch zu zeigen,
wie viel ich für Dich
empfinde.
Aber ich will Dich nicht überrumpeln.
Ich will Dir nichts antun,
was Dir unangenehm sein könnte.
Ich habe Angst,
es könnte das zerstören.
Es ist nun schon eine lange Zeit so,
dass ich so empfinde.
Oft habe ich meinen besten Freunden
mein Herz deswegen ausgeschüttet.
Erst sagten sie alle
ich solle weiter hoffen
und es weiter versuchen.
Doch sie sehen, 
wie sehr es an mir nagt,
dass wir nicht miteinander sind,
weil Du es nicht willst.
Und deswegen sagen sie nun,
ich solle Dich vergessen und nach vorne blicken.
Aber es fällt mir sehr schwer,
dies zu tun.
Es fällt mir schwer,
Dich zu vergessen.
Ich will Dich
nicht vergessen.
Aber was bleibt mir anderes übrig?
Ich sollte nicht,
so lange
an Dir hängen,
während Du,
mit anderen zusammen kommst.
Ich akzeptiere es zwar, 
wenn Du es tust,
und ich komme klar,
und hoffe, dass Du damit glücklich wirst.
Aber trotzdem
will ich Dich nicht vergessen.
Ich muss es trotzdem versuchen.
Denn Du
willst mich nicht.
Ich weiß nicht, warum es so ist.
Nur, dass es so ist.
Es ist schwer,
ungeheuer schwer,
mich von Dir zu lösen.
Denn Du bist wunderbar.
Es ist leider wahr,
dass ich Dich liebe.

Anscheinend soll es aber nicht so sein.
Es bedrückt mich.
Und all das, 
würde ich Dir so gerne sagen.

Diese Worte sind an Dich gewidmet.



by 
Lupus Terre
(DLNT)