Freitag, 16. Mai 2025

Dornenketten

Dort, wo die Steine schlafen
Wo das Salz die Erde tränkt
Und wo Verwesung Bäume nährt
Dort hast du dich hinverzehrt

Dort, wo das Licht verdunkelt
Ohne Wolken am Firmament
Und wo alle Hoffnung im Loch versinkt
Dort hast du dich hingesehnt

Dort, wo die Sterne verblassen
Wo die Zeit dich zersetzt
Und wo nasser Dreck dich erstickt
Dort hast du mich verlassen

Ein kleines Leben ist vergangen
Seit du dich fort begabst
Seit du dein Versprechen brachst
Seit du dort im Dunkeln lagst

Nichts als dein Echo hallt in mir
Dornige Ketten an einer besseren Zeit
Ich kann sie nicht zerbrechen
Während sie mich täglich zerstechen

Und so sitze ich blutend hier bei dir
Schreibe mit meinen Tränen auf Papier
Beichte dir meinen Kummer
Doch du währst in stillem Schlummer

Ein Leben hast du genommen
Aber zehn zerstört
Und meine Schreie entronnen
Ungehört

Bist du glücklich dort, wo du nun bist?
Geht es dir besser, tief unten zerdrückt?
Mich ließt du oben zurück
Zerstört, gebrochen, verrückt

Dort, wo mein Blick dich das letzte Mal barg
Kalt, regungslos und verblasst
Dort hast du dich hingesehnt
Dort, in deinen Sarg.


- Lupus Terre

Samstag, 23. Juni 2018

22

(ursprünglich verfasst zum: 02.01.2018 )

für Alena, die Liebe meines Lebens

Ein Höllenritt in dunklen Tagen
Dein Name war noch nicht bekannt
Und ich war am Verzagen
Vom Leben überspannt

Der Versuch zu lächeln nur maskiert
Eine Lüge in Verborgenheit
Und die Träne nur kaschiert
Den Wunsch nach Liebe und Geborgenheit

So wurd' die Nacht zum Tage
Und die Sonne zum Mond
Das Atmen zur Plage
So nur die Leere thront

Es kam nicht die Hoffnung
Und auch nicht die Zukunftslust
Doch elende Verzweiflung
Begleitet von Verdruss

Trotz all den Scherben auf meinem Weg
Und schmerzerfülltem Erblinden
Erhielt ich das unwahrscheinliche Privileg
Dich, meine Liebste, zu finden

Welch Wendung mein Leben fortan nahm
Hätte ich nie gedacht
Stattdessen nur der Zweifel kam
Ob das Schicksal wieder lacht

Und in tiefster, finsterster Nacht
Verborgen hinter gewaltigen Mauern
Ist mein Sehnen neu erwacht
Traumerfüllt, um Äonen zu überdauern

Immer mehr erfuhr ich dich, immer mehr
Nimmer mehr hab' ich nicht an dich gedacht
Nimmer mehr setzte ich mich dir zur Wehr
Immer mehr hab' ich dank dir gelacht

Noch blind habe ich nicht daran geglaubt
Wie wieder Liebe durch meine Adern floss
Verbittert habe ich's mir nicht erlaubt
Weshalb ich meine Augen vor dir verschloss

Ein Traum und Geschrei aus meinem Innersten
Verfluchten Ulm, diesen vermaledeiten Ort
Und brachten sämtliche Mauern zum Bersten
Endlich wusste ich, ich will dich, sofort

Leg' ein Lächeln auf mein Gesicht
Leg' dich zu mir, du weißt ja nicht
Wie sehr es mich nach dir verzehrt
Wie sehr mein Herz nur dich begehrt

Kaum konnt' ich's erwarten dich zu seh'n
Jede Zelle in mir begann zu fleh'n
Mir einen Kuss auf deinen Wangen zu erlauben
Um mich gänzlich meines Verstandes zu berauben

Bilder von dir so lieblich, niedlich
Ließen mich schmelzen, doch das reicht' nicht
Ich musste dir endlich begegnen
Selbst dann, sollte es Feuer regnen

Es wurd' absurd, überall warst du präsent
Und war es doch nur ein kleines Wortfragment
Wie die Wasserflasche, in der ich deinen Namen sah
Meine Einzige, meine Wölfin, nur meine Alena

Gleich einem Lied offenbarte sich eine Zahl
Die 22 in Sekunden, als du mich mal
Angerufen hast, versehentlich sei gesagt
Wir beide waren panisch, von Nervosität geplagt

Fast wie damals, als wir uns endlich trafen
Als du mich stürmisch umarmtest, an jenem Hafen
Entzückt, beglückt und voll verrückt
Genossen wir fortan unser Glück

Wie knapp wärst du mir noch entgangen
Ich wäre weiterhin in mir selbst gefangen
Du hast mich aus meinem Kerker befreit
Nun gehört uns die Ewigkeit

So wurd' die Nacht wieder Nacht
Du hast mich lebendig gemacht
Und der Mond wurd' zur Sonne
So ward mein Leben fortan Wonne

So viel Liebe steckt in jedem einzelnen Wort von dir
Beflügelt von deiner melodischen Stimme bringst du mir
Hoffnung, Zuversicht und Kraft für jeden neuen Tag
Sodass ich nun sogar das Leben mag

Ich war ein Blinder, der jetzt sehen kann
Ein Narr, der jetzt verstehen kann
In meiner Finsternis bist du das Licht
Die Fackel, die das Dunkel bricht

Selbst ein Höllenritt in dunklen Tagen
Ist jetzt einfach zu ertragen
Denn zusammen knechten wir die Welt
Und nichts existiert, das uns aufhält

Heute, wie auch schon vor zwei Jahren
Meistern wir alles zusammen, nicht allein
Überstehen sogar die Ewigkeit zusammen, nie mehr allein
Und unsere Liebe werden wir stets bewahren

Ich liebe dich unendlich, mein Krümel!


by Lupus Terre



Samstag, 2. Januar 2016

Missen


für Alena


Ist mein Gesicht zu Trauer vergangen
und sickern Tränen aus meinem Geist
Reicht schon ein Lächeln an deinen Wangen
das mir den Pfad zu Trost und Vergebung weist

Und bist du fort, so fehlst du mir
Ob eine Sekunde, eine Minute, oder eine Stunde
und ich wünschte du wärst hier
und verzauberst mich mit deinem Munde

Ist mein Hirn durch Zorn verbrannt
und gerät mein Herz in Raserei
Legst nur du – so hab' ich erkannt –
den Sturm zur Ruh' und setzt mich frei

Und bist du fort, sehn' ich mich nach dir
Ob einen Tag, eine Woche, oder ein Jahr
und ich wünschte du wärst hier
denn etwas fehlt, bist du nicht da

Die Zeit steht still, sind wir beisammen
ein Augenblick voll Ewigkeit
Nur du kannst mich neu entflammen
bewahrt in Unvergänglichkeit

Und bist du fort, so fehlst du mir
Ob nur Sekunden, Minuten, oder Stunden
und ich wünschte du wärst mit mir hier
zweisam einsam, vereint umwunden

Ich sehne mich nach dem Duft in deinem Haar
nach deinem Lachen und deinem Denken
In keinem Universum bist du ersetzbar
so lass mich dir mein Herz schenken

Und bist du fort, sehn' ich mich nach dir
Ob nur Tage, Wochen, oder Jahre
und ich wünschte du wärst hier mit mir
damit ich mich nicht im Dunkel verfahre

Die Sehnsucht sucht mich heim
Ohne dich fühl ich mich zerrissen
So will ich nichts anderes als bei dir sein
Denn ich will dich nicht mehr missen.


by
Lupus Terre


verfasst am 19.12.2015

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Gedankenströme II

Stille.

Endlos.

Und alles verschwimmt.


Den Schmerz nicht mehr ertragend, unfähig mit ihm umzugehen und den weiten Ranken seiner maliziösen Auswirkungen nicht mehr entkommend;
- hechelnd von einer Ablenkung zur nächsten.

Bloß nicht nachdenken.
Nicht denken.
Nicht erinnern.
Nicht träumen.

Am liebsten jede einzelne Zelle des Gehirns abschalten, vielleicht nur noch vegetieren, nichts weiter als auf die Funktionsweise des Metabolismus beschränkt, in irgendeinen Käfig gesperrt werden und geistlos auf das bedeutungslose Ende warten.
Ein Mittelweg, um denen gerecht zu werden, die einem noch nicht vollends egal geworden sind, und der Abscheu gegenüber allem, was existiert, insbesondere einem selbst.

Herausforderungen, an denen man einst so vielversprechend zu wachsen schien, zerbrechen zu einem Haufen zerschlagener Illusionen; erkennend, dass man jedes Mal ein weiteres Stück mehr kaputt gegangen ist.
Und kaum regt sich das Gemüt zu einem winzigen Funken Hoffnung und Enthusiasmus, wird dieser doch sogleich von dem zähen, dicken - mal grauen, mal schwarzen - Nebel erstickt und man bleibt am Boden kleben, auf dem man zuvor gnadenlos zerschellte.

Alles ist so bedeutungslos.

Was nützt noch Wehklagen, Gejammere und läppisches Rumheulen? Was nützen all die Anstrengungen, die man unternommen hat, um die Schatten, die sich den eigenen selbstzerstörischen Klauen entrissen haben, zu bändigen?

Nichts hilft.
Nichts wird besser.
Egal, was man auch tut.
Es wird alles bloß schlimmer.

Den Mund unlängst dusselig geredet, müde und motivationslos noch irgendetwas - selbst banalstes - auszusprechen, oder zu tun, lustlos auch nur einen einzigen weiteren sinnlosen Atemzug im Sumpf der dekadenten Lethargie zu tätigen, bekommt man vielleicht noch hier und da Mut zugesprochen, oder eine helfende Hand gereicht. Doch man selbst kann dafür nicht mehr erübrigen als mit Mühe zusammengekratzte - womöglich geheuchelte - Worte der Dankbarkeit und Wertschätzung - allerdings mit dem Vorbehalt der Ablehnung; denn zu oft hat man genau das schon erlebt und versucht. Wie ein Wahnsinniger, der in irrtümlicher Erwartung eines anderen Ergebnisses, stets ein und das selbe immer und immer und immer wieder tut. Aber irgendwann - wenn man sich bereits in einem Zustand befindent, der kaum noch als "Depression" bezeichnet werden kann, da man darüber längst hinaus ist und sich in einem emotionalen Brachland die Beine gebrochen hat, in dem weit und breit nichts und niemand ist, was auch nur im Geringsten eine realistische Möglichkeit auf Besserung versprechen kann - hat man einen Punkt erreicht, ab dem auch jener Wahnsinn nicht mehr nützt, um einem den Antrieb und das Gefühl für Leben zu geben. Man sackt ausgelaugt, erschöpft, sämtlicher Energien beraubt zusammen und verkommt zu etwas, das nicht mehr ist als ein lebloser Klumpen Fleisch.

Recht früh geraten auch jene erst so freundlichen und hilfsbereiten Menschen an ihre Grenzen und verharren aufgrund Ahnungslosigkeit in Machtlosigkeit, sodass sie einen nur noch mitleidig ansehen können; als ob man von Mitleid nicht schon mehr als genug hätte, da man viel zu viel Zeit auch damit vergeudet hatte in erbärmlichen Selbstmitleid zu versinken. Doch es ist nicht ihr Fehler, sie können nichts dafür.

So verstummen auch ihre Stimmen.

Und das einzige noch hörbare, ist der chaotische Sturm der Gedanken - wenn er denn da ist. Denn ansonsten herrscht auch im Geiste nur eine unsagbar breite und stickige Leere.

Die Wahrnehmung trübt sich, als würde man von einem depersonalisierenden Schleier umhüllt werden und schleichend den Bezug zur Realität verlieren, sodass man sich letztlich in einer eigentümlichen Zwischenwelt verirrt, welche einen vergessen lässt, wer man ist und wer all die Gesichter um einen herum sind. Ebenso verliert man sein Gefühl für sich und seine Umwelt, als würde man die biologischen Signalleitungen kappen. 
Alles relativiert sich, alles wird uninteressant, unwichtig, unbedeutend, egal.
Man ist präsent, aber doch nicht da. Körper und Geist getrennt. Das eine nur noch ein entseeltes Tier, das andere scheinbar ausgelöscht, doch verloren in endloser Finsternis.
Und das schlimmste dabei ist: Es ist einem egal, dass einem alles egal wird.

Ohnehin darin bestrebt nicht mehr zu denken und nicht mehr zu sein; ein passiver Beobachter seiner selbst. 
Stumm und taub.

Auch die Menschen, die man einst liebte und die einem wichtig waren, verlieren daher an Bedeutung. Der Bezug zu ihnen schwindet, man schweigt nur noch und findet nach einiger Zeit lediglich den Staub, zu dem die gemeinsamen Chroniken zerbröselt sind. Und das oft sogar bloß einseitig.
Denn man zieht sich zurück, sperrt sich ein in seinem ersehnten Käfig, meidet den Kontakt und versucht bewusst, oder unbewusst mit den Schatten zu verschmelzen. Und wenn sich doch eine kurze Interaktion ergibt, flüchtet man, versucht ein baldiges Ende dieser zu erwirken. Denn wenn nicht die Lethargie der Grund dafür ist, so ist es Ekel. Man ist angewidert von jenen - wenn nicht allen - Menschen und letztlich von sich selbst, da sie einen an die Dinge erinnern, die man vergessen will. Sie sind Teil dessen, weshalb man nicht mehr denken will. Obgleich so manchen von ihnen keine direkte Verantwortung und damit Schuld zulasten gelegt werden kann, sind sie dennoch unfreiwillig damit verknüpft.

Manchmal verfängt man sich dann wieder in "Was wäre wenn...?"-Fragen und bereut viele seiner Entscheidungen vielleicht, da es irgendwo noch einen kümmerlichen Rest dessen gibt, wer man einst war, und dies Grund genug dafür ist, sich bessere Zustände zu erträumen.
Doch dann sind da wieder das Angewidertsein und die Lethargie.

Letztenendes macht es sowieso keinen Unterschied.
Wir enden, wie wir begonnen haben: bedeutungslos.

Was bleibt einem dann also noch anderes Übrig, als das jämmerliche und bedeutungslose Ende herbeizusehnen?

Nichts mehr sehen.
Nichts mehr hören.
Nichts mehr fühlen.
Nicht mehr denken.
Nicht mehr sein.

Und dennoch macht man weiter, zwingt sich durch den nächsten sinnlosen Atemzug, würgt das nötigste an Nahrung herunter, um nicht zu krepieren, da der kümmerliche Rest es ist, welcher einem noch irgendwo einen Grund gibt weiterzumachen. Aber nicht aus allzu persönlichem Wunsch, sondern um diejenigen, die einem bis dahin noch nicht egal geworden sind, nicht so unverzeihbar zu verletzen.

Man findet sich damit ab in eine Welt abzudriften, welche nicht die ist, in welcher die anderen leben, und führt nur eine Farce auf, um zu suggerieren, dass alles schon irgendwie in Ordnung sei.
Vielleicht kann man sich darauf festfahren zu einer seelenlosen Arbeitsmaschine zu mutieren. Nur noch funktionieren, wie es erwünscht, oder erwartet wird, doch ohne jeden Elan, ohne mit seinem Geist und seinem Herz wirklich dabei zu sein. Hauptsache man springt nicht vor den nächsten einfahrenden Zug.
Seelisch tot, aber biologisch am leben.
Ein Seelenzombie im Alltag. Das Hirn, den Verstand, die Persönlichkeit und den Charakter irgendwo tief unter der Dunkelheit unauffindbar begraben.

Irgendwann hat der Mist eh ein Ende.


~ Lupus Terre


Donnerstag, 6. August 2015

Neue Rosen

Die Seele gefangen in fremder Haut
Schmerz versteckt vom lächelnden Gesicht
Die Sehnsucht der Angst ins Antlitz schaut
Wille gefriert Schicht um Schicht

Klanglos, farblos die Unsichtbare schneidet
das Fleisch - verfault, vermodert, verdirbt
Der neue Tag das Gefühl ausweidet
Still und heimlich das Menschlein stirbt

Das Messer - Werkzeug morbider Kunst
- malt rote Blumen in die Glieder
Alte Narben erneut verhunzt
Wehmut wimmert Trauerlieder

Qualvoll sprengt das innere Geschrei
die letzten Fundamente, das letzte Fort
Zerdrückend schwer, doch nie vorbei
Verbrennen Sakramente mit einem Wort

Krank umklammert, nach Erlösung verzehrt
- bekam ein neues Herz geschenkt
Wie ein Fremdkörper abgestoßen und abgewehrt
- von Reue durchtränkt

Jede Nacht Leib und Liebe schänden
Keine Freiheit, keine Flucht
Fingernägel in zerkratzten Wänden
Verbleibend in Agonie und Todsucht

Nur Gesichter im Gedächtnis stehen
wie Schemen gebadet in Neurosen
vergeblich nach Vergebung flehen
Einsam wachsen jene Kirchhofrosen


~ Lupus Terre



Sonntag, 19. Juli 2015

Sphären der Vergänglichkeit: Trostflut

Blut. Tränen. Regen. Und das unablässige Peitschen des Meeres. Das waren Dinge, die er ignorierte, denn für ihn zählte nur eines. Seine Frau war tot.
"Valëza, nein! Nein, nein, nein, nein, nein.... Wieso nur?", wimmerte er leise vor sich hin, an der Leiche seiner Frau kniend. Seine Welt war für ihn zusammengebrochen. Und er weinte Tränen auf sie herab. Salzige Tränen des Verlustes, die der Regen nicht hinfortspülen konnte.
Das Blut seiner Frau quellte aus ihrer Wunde. Längst hatte es auf dem hölzernen und verwahrlosten Boden des Steges eine Pfütze gebildet, die vom Regen verdünnt auch hinab in das dunkle Meerwasser tropfte.
So viele Jahre tiefer Liebe, Freundschaft und Leidenschaft von den Fluten der Zeit hinfortgespült.
Korab, ihr Ehemann, drückte ihren Kopf fest an sich, betete zu allen Göttern in allen Himmeln und auf allen Erden, dass dies nur ein Alptraum sei aus dem er erwachen würde. Er flehte mit jeder Faser seines Körpers in die Zeit zurückreisen zu können, um den Mord an seiner Frau zu verhindern. Der mittvierzige Mann wollte es nicht wahrhaben. Immer und immer wieder flüsterte, sprach und schrie er in Gedanken, Sie ist tot! Sie ist tot, sie ist tot! SIE IST TOT!!! Oh mein Gott, sie ist tot..., und verstand es dennoch nicht. Vor einem Augenblick war sie noch da, schenkte ihm eines dieser Lächeln, weswegen er sich unter anderem vor über 20 Jahren gleich in sie verguckt hatte. Sie standen dieses Jahr wieder auf diesem Steg am Meer, an dem es damals zu ihrem ersten Kuss kam, standen im Regen, doch das machte ihnen nichts. Sie waren glücklich, so viele Jahre lang waren sie glücklich miteinander. Und im nächsten Augenblick donnerte aus dem Nichts ein Instrument des Todes hervor. Eine Pistolenkugel durchbohrte ihre Brust und plötzlich - kaum einen Lidschlag danach - tränkte Blut die weiße Bluse seiner geliebten Frau Valëza in einem frischen und satten Rot. Die Sekunden, in denen sie dann zu Boden fiel, vergingen für Korab wie Minuten. Aus allen Wolken gerissen, geschockt und mit diesem grausamen Ereignis überrascht, verlor er seine Befähigung wahrzunehmen und zu verstehen, was doch direkt vor ihm geschehen war. Mit seinen braunen Augen sah er alles. Er sah das Blut, wie es mit jedem von Valëzas verbliebenen Herzschlägen hinausströmte, sah, wie sie die Kraft in ihren Muskeln verlor und ihre letzten Atemzüge zusammengesackt auf dem harten und durchnässten Holzboden des Bootssteges machte, ehe sie der Lebenshauch, mit offenem Mund und den Augen auf ihren Seelenverwandten gerichtet, verließ. Jedoch erreichte diese hautnahe Todesbotschaft nicht die Tiefen seines Bewusstseins. Wie angewurzelt und in Trance blieb er erst stehen und starrte vollkommen entgeistert auf den noch warmen, aber leblosen Leib seiner Frau zu seinen Füßen. Erst, als er hörte wie ein Wagen über den Kiesstrand in die Ferne flüchtete, begann er zu begreifen, was sich eben vor seinen Augen abgespielt hatte.
Sie starb und jemand hatte sie ermordet. "Wie kann das sein? Wieso sollte jemand so etwas schreckliches tun?", schluchzte Korab, immer noch gegen die gnadenlose Wahrheit ankämpfend.
Valëza war für ihn alles. Sie war seine Welt, sein Zuhause, seine Vergangenheit und auch seine Zukunft. Mit keinem anderen Menschen fühlte er sich je derart verbunden. Kein anderer Mensch war ihm je so wichtig wie sie. Mit ihr verlor er einen sehr großen Teil von sich selbst. Die Liebe zu ihr wuchs über all die gemeinsamen Jahre, sie wuchs so stark, dass Valëza für ihn so bedeutsam wie die Luft zum Atmen war. Mehr noch, sie war ihm um ein so Vielfaches wichtiger als er sich selbst. Er hätte alles für sie getan.
Korab wusste, dass sie der Grund war, weshalb er jeden Tag aufs Neue nicht nur mit einem ehrlichen, aufrichtigen und wahrhaft glücklichen Lächeln aufstand, sondern überhaupt den Mut und Willen aufbringen konnte das Leben mit all seinen Einzelheiten in Angriff zu nehmen. Mit Valëza zusammen fiel ihm gleich so vieles einfacher. Dinge, die er sich vormals selbst nie zugetraut hätte, waren nur möglich, weil sie an seiner Seite war, weil sie für ihn da war, weil diese beiden Menschen Partner waren, welche Rücken an Rücken allen Gefahren und Herausforderungen des Lebens trotzten.
Und nun, nun lag sie da. Tot, vom Regen durchnässt, vom Blut gefärbt.
"Sie ist weg. Sie ist weg... Wie kann sie weg sein?", brach Korab mit weiteren Tränen aus, "Verlass mich nicht, Valëza! Lass mich nicht allein zurück! Bitte nicht! Bitte nicht! Bitte sag doch etwas! Bitte!", flehte er.
Das konnte nicht die Realität für den gebrochenen Mann sein. Jedenfalls keine, in der er Leben wollte. Und obwohl er ihren toten Körper in seinen zitternden Armen hielt, und obwohl er den ihm nur allzu bekannten Duft in ihren Haaren roch, und obwohl er spürte, wie der kalte Regen auf ihn niederströmte, wirkte das alles doch noch so befremdlich und unwirklich auf ihn, wie ein Riss in der Realität, der eher einem wahnhaften, kranken Fiebertraum glich, statt des wirklichen Lebens, wie er es gewohnt war.
"Es war doch alles in Ordnung! Wir waren glücklich! Wir haben niemandem etwas getan und waren gute Menschen! Wieso sollte uns das jemand antun? Wieso nur? Wieso?", seine Versuche die Zusammenhänge der Situation zu verstehen, blieben ergebnislos. Zu stark war der Schmerz, der sein Bewusstsein betäubte.
Außer ihr, hatte Korab niemanden. Keine Kinder, keine Freunde und auch sonst keine näheren Bekannten, oder gar Verwandte. Bei Valëza war es nicht anders. Doch die Beiden brauchten auch niemand anderen. Sie hatten sich. Zusammen waren sie allein.
Nun konnte sich der Mann nicht mehr halten und er brach in einem lauten, schmerzerfüllten Heulen aus. Sein ganzer Körper zitterte und verkrampfte sich vor Qual. Deutlich konnte man seine Pein auch in der dysharmonischen Melodie seiner Trauer beben hören. Nie zuvor spürte er so einen Schmerz. Es war die Art Schmerz, bei der selbst die Qualen physischen Traumas verblassen würden. Ein unsäglich tief sitzender und scheußlicher Schmerz, den man nicht einmal seinen schlimmsten Feinden wünschen würde.
In seinem Leben weinte Korab nur als Kind, aber seither nie wieder. Dieses Mal allerdings füllten die Tränen seine Augen solchermaßen, dass er nicht mehr klar sehen konnte. Er umklammerte den Leichnam seiner Frau fest und schrie vor Leid ihren Namen in das endlose, weite Meer hinaus, als ob sie ihn noch hören könnte und zurückkehren würde.
"VALËZA! VALËZA! VALËZA! NEIN!!!"

Mehrere Stunden vergingen, ohne dass Valëzas nun seelisch zerstörter Gatte wahrnahm, wie aus dem Abend die Nacht wurde und wie das Licht zu Schatten zerschmolz. Niemand, außer ihm - mit seiner verstorbenen Geliebten zugegen - hielt sich an diesem Tag und bei diesem degoutanten Wetter am Pier auf. Er wurde ohnehin seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und gehörte zu einem längst verwaisten kleinen Fischerdorf, weit abgelegen und verlassen von jedweder größeren Ortschaft.
Längst hatte auch der Regen nachgelassen, ebenso wie Korab keine Kräfte mehr zum Weinen erübrigen konnte. Kühl war es dennoch, zumal der Wind weiterhin fast schon stürmische Wellen trieb. Schwarze Wolken verdichteten sich am Himmel und stahlen jede Möglichkeit einen Blick auf das Sternenzelt zu erhaschen. Selbst das volle Mondlicht drang nur beschwerlich durch die Wolkendecke hindurch. Korab interessierte das nicht. Zwar fror er, zitterte also nicht nur aufgrund des psychischen Traumas, hatte eine sichtliche Gänsehaut, interessierte sich jedoch nicht dafür. All diese Dinge waren ihm vollkommen egal. Katatonisch kniete er da, entkräftet und zerstört, seines Herzens und jeder Möglichkeit eines weiteren Wohlgefühls für immer beraubt. Und er erinnerte sich an den Tag seines und Valëzas ersten Kusses.
Es geschah ebenfalls hier an diesem Pier. Sie waren beide frisch verliebt und trafen sich zu einem romantischen Picknick am Strand. Ein warmer Sommertag mit wolkenlosem, klarem, blauem Himmel machte dieses Rendezvous fast schon zu perfekt. Das Essen konnten sie in gegenseitiger Gesellschaft wunderbar genießen, sie redeten und lachten viel miteinander.
Oh dieses Lächeln, dachte Korab, Sie hatte immer schon so ein wunderschönes und liebliches Lächeln. Ich konnte es mir stundenlang ansehen und davon nicht ermüden.
Die Zeit verstrich wie im Fluge und ehe sie sich versahen, konnten sie den Sonnenuntergang miterleben. Die Lage des Piers war günstig. Bei Sonnenuntergängen konnte man den feurigen Stern im Wasser fern am Horizont, beinahe in einer geraden Linie zum Steg, untergehen sehen. 
Valëza und Korab saßen zu dem Zeitpunkt am Kopfende der hölzernen Meeresbrücke, ließen ihre Füße im angenehm warmen Meerwasser taumeln und beschauten schweigend, aber in vollkommener Harmonie die untergehende Sonne.
Dann, als sie halb im Meer versunken war, richtete Valëza ihre meerblauen und klaren Augen auf Korab, warf ihm wieder jenes Lächeln zu, neigte sich danach vor und küsste ihn schließlich. Es war ein berauschender Augenblick für den damals noch jungen Mann. Er erwiderte ihren Kuss genauso sanft wie sie, so voller Liebe und Wärme, dass es einen Sturm elektrisierender und beglückender Gefühle in ihm auslöste.
Ab jenem Tag waren sie vereint und für über zwanzig Jahre lang ein durchweg glückliches Paar.
Allerdings erwachte Korab wieder aus seinem nostalgischen Traum. Sein Blick fiel wieder auf das leblose Augenlicht seiner Liebsten und kurz darauf folgten erneut Tränen. 
"Ich kann und ich will ohne dich nicht mehr Leben", sprach er und streichelte ihr dabei sanft über die Wangen.
Manch einer hätte Wut und Hass empfunden und würde Rache für solch einen Akt nehmen wollen. Doch nicht Korab. Dinge, wie Rache, oder Hass, hatten keine Bedeutung mehr für ihn, nicht ohne seine Valëza. Es würde ihm seine Geliebte nicht zurückbringen, würde er ihren Mörder zur Rechenschaft ziehen. Zumal Valëza sich niemals gewünscht hätte, dass Korab sich auf einen derart finsterem Pfad begab. Das wusste er mit Sicherheit, denn sie war die Eine. Die Frau und die Liebe seines Lebens, seine Seelenverwandte, seine Göttin, sein Ein und Alles. Und nun ist sie zu Nichts geworden. Nichts weiter mehr, als eine leblose, gefühllose und kalte fleischliche Hülle.
Am Ende sind wir bloß kaltes Fleisch, über das die Wehmut sein Leichentuch mit Laudatio zieht. Und nur ein Schrei von Kummer eilt dann noch der untergehenden Sonne entgegen.
"Vergib mir", drückte er sich nun laut und nicht gedanklich aus, "Aber den anderen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen." 
Valëza würde wissen, dass er damit sein Leben meinte. 
"Es gibt nichts lebenswertes für mich auf dieser Welt. Du warst das einzige Feuer, das für mich brannte." 
Korab schob seinen rechten Arm unter ihre Beine und seinen linken unter ihren Oberkörper und hob sie sodann auf, während er sich selbst zeitgleich aufrichtete. Er trug sie zum Strand zurück, nur um dann an der linken Seite des Steges entlang langsam in das kalte Wasser hineinzuwaten.
"Im Tod werden wir uns wiedersehen, geliebte Valëza."

Die Wellen des Meeres peitschten kräftig gegen das Ufer und damit gegen Korab. Als würde Valëza mich aus dem Jenseits aufhalten wollen, kommentierte er dies gedanklich. Doch die Strömung war nicht stark genug, um ihn aufzuhalten, sodass er weiter voran kam und Valëza bereits in das fast schwarze Wasser eintauchte.
"Die Flut wird uns Trost spenden, bis wir wieder vereint sind."
Nun war Korab selbst bereits bis zum Hals im Wasser und zwängte sich weiter nach vorn. 
Welch eine Ironie es doch ist, dass unsere gemeinsame Zeit an genau dem Ort tragisch endet, an dem sie einst so wundervoll begonnen hatte, verbittert waren seine Gedanken.
Kurz bevor das Wasser seinen Mund erreichte, widmete er Valëza seine letzten Worte:
"Ich werde für immer bei dir sein. Ich liebe dich!"

Und dann wehrte er sich nicht gegen die salzigen Wassermassen, welche seinen Mund und seine Nase fluteten. Er ließ es zu. Er atmete es ein; ließ es in seine Lungen strömen und versuchte mit seinen letzten Kräften noch weiter und noch tiefer hinaus in das finstere, schwarze Meer zu tauchen.
Seine Tränen verschmolzen mit dem Meer. Sein Lebensodem gefror. Sein Bewusstsein ertrank.

Die Kälte und tiefe Dunkelheit umhüllte ihn. Das Licht an der Oberfläche verschwand.
Vielleicht täuschte er sich, er war schon nah am Rande des Todes, hatte gerade noch einen letzten Funken von Verstand, doch die Wolken lichteten sich ein wenig und ließen das kalte und weiße Licht des Mondes in das Meer stechen und Korab war überzeugt, dass das letzte, was er vor seinem endgütligen Ableben noch wahrnehmen konnte, das liebliche und süße Lächeln auf dem Gesicht seiner geliebten Valëza war.




~ Lupus Terre



Mittwoch, 15. Juli 2015

Der Namenlose V ~ Veramon & Zacrolon

Nein, noch kann ich denken. Der Schmerz hat aufgehört und ich spüre nichts mehr. Keine Kälte, keine Wärme, keinen Schmerz und auch sonst absolut nichts. Ebenso all meine anderen Sinne scheinen versagt zu haben. Ich kann weder sehen, noch hören, weder fühlen, noch riechen, ich habe keinerlei Empfinden mehr. Das Nichts umgibt mich. Blind und entsinnt verharre ich, bin zu nichts weiterem befähigt als meinem inneren Bewusstsein. Ich kann denken, doch nichts wahrnehmen. Ist dies das Leben nach dem Tod? Werde ich nun für den Rest der Ewigkeit einfach ein Fetzen von Gedanken sein, der irgendwo durch eine endlose Finsternis schwebend auf das Ende aller Zeiten wartet?
Oder bin ich doch noch lebendig und etwas anderes ist für diesen meinen Zustand verantwortlich?
Ich bin gestorben. Ich bin mir sicher, dass ich gestorben bin. Denn ich habe gespürt, wie ich bei lebendigem Leibe von den Körperlosen gefressen worden bin. Sie haben mein Fleisch und meine Organe zerstört. Wahrscheinlich sind meine sterblichen Überreste mittlerweile nichts weiter mehr als ein Haufen blutiger Knochen, an denen vielleicht noch einige Fleischreste kleben. Das letzte Zeugnis meiner Existenz.
Es war ein qualvoller Tod. Dennoch bin ich froh, dass ich so rasch mein Bewusstsein verloren hatte.
Aber halt! Allmählich spüre ich doch etwas! Mein Rücken fühlt sich kühl und feucht an, überdies spüre ich einen ebenso kühlen und feuchten Windzug über meinen Oberkörper wehen. Bin ich doch nicht gestorben? Wurde ich doch nicht aufgefressen? War dies nur eine alptraumhafte Illusion?
Jedoch frage ich mich, wo ich mich nun aufhalte. Wo bin ich?
Es ist kühl, aber nicht kalt. Allmählich erlange ich wieder die Fähigkeit zu atmen. Kein widerwärtiger faulender Gestank, sondern eine frische und reine Luft ist es, was ich mit meiner Nase wahrzunehmen vermag. Auch ist die Luft nicht kalt und trocken, wie noch zuvor, als ich aus dem schwarzen Fluss zum unendlichen Weiß tauchte, sondern weniger kalt, eher kühl und feucht.
Höre ich? Höre ich tatsächlich, wie der Wind durch meine Umgebung hindurchweht? Ich vermag aus meiner unmittelbaren Umgebung ein seichtes Racheln zu vernehmen, ich höre den verschwommenen tiefen und unauffälligen Klang des Windes, mit diesem leichten spitzen Knistern, wie es doch so typisch für den Klang des Windes durch Wälder ist.
Auch das Gefühl im Rest meines Körpers kehrt wieder, nicht zuletzt auch in meine Hände. Ich ertaste den Boden, auf dem ich liege und spüre unzählige weiche, längliche und hauchdünne Strukturen. Ist das Gras? Es fühlt sich an wie Gras. Es muss Gras sein! Und ich hoffe, dass es Gras ist. Ich flehe darum, dass dieser Alptraum endet und ich wieder in der von mir gewohnten Welt erwache.
Meine Augen sind geschlossen. Ich wage es, sie zu öffnen und sehe... den Himmel!
Grauweiße Wolken hängen schwer in der Höhe und bedecken das gesamte Firmament. Das Licht ist weder dunkel, noch hell. Ebenso, wie es schwer einzuschätzen ist, ob die Wolken Regen hinabfallen lassen wollen, scheint das Licht sich nicht zwischen hell, oder dunkel entscheiden zu können. Die Welt um mich herum verharrt im Zwielicht.
Ich richte mich auf und prüfe erst, ob es an meinem Körper irgendwelche Verletzungen oder Zeugnisse dessen gab, wie ich gestorben zu sein schien.
Doch es ist alles bei bester Ordnung. Keine einzige Verletzung, keine Kratzer, keine Bisswunden. Mein Körper ist unversehrt.
Nun, wissend, dass all meine Erlebnisse der vergangenen Stunden wohl nichts weiter waren, als ein Alptraum, betrachte ich meine Umgebung und versuche mich wiederzufinden. Ich will nach Hause und einfach nur alles vergessen, was ich erlebt habe. Ich hinterfrage gar nicht erst, wie ich an diesen Ort gelangt bin. Ich will einfach nur weg.
Zu meiner rechten Seite erkenne einen überschaubaren See. Fast schon mehr ein großer Teich, statt eines Sees. Das Ufer ist in nur knapp drei Armlängen weit von mir entfernt. Schilf und allerlei anderes Seegewächs schmückt die Gestaden. Ich befinde mich am Hang eines größeren Hügels, der von einer Wiese bedeckt ist. Vor mir erhebt sich in etwas größerer Entfernung ein Waldgebiet, doch das restliche Gebiet wird von einer hügeligen Graslandschaft geprägt.
Ich stehe auf, erleichtert, dass ich wieder in der Welt der Menschen zu sein scheine. Was waren das doch bloß für Ausgeburten kranker Fantasien eines wahnsinnigen Schriftstellers! Ein Alptraum. Nur ein ausgedehnter und schrecklicher Alptraum.
Um auch zu erfahren, was auf der dem Wald gegenüberliegenden Seite vorzufinden ist, drehe ich mich um. Bei dem, was ich nun erblicke, verschlägt es mir die Sprache, all meine Erleichterung verfliegt instantan. Noch immer bin ich in diesem Wahnsinn gefangen!
In weiter Ferne schließt sich an die Hügellandschaft ein rieseiges Areal an, welches von schwarzen Wolken bedeckt wird. Rote Blitze schlagen in unnatürlich häufigen Intervallen durch die Wolken und hinab auf den Boden. Ein ganz und gar dystopisches und finsteres Bildnis. Doch das ist noch das harmloseste, was ich sehe. Denn es erheben sich gewaltige Berge menschlichler Leichen. Leblose Körper regnen unentwegt aus den schwarzen Wolken herab und klatschen heftig auf die nackten und bereits entstellten Leiber unter sich, welche sich unlängst zu einem gewaltigen Gebirge angehäuft haben, welches den gesamten Horizont füllt. Und wenn ich es aus der Entfernung richtig sehe, so fehlt jedem dieser Körper der Kopf. Ungerne erinnere ich mich an den Regen der schreienden Köpfe zurück. Jetzt weiß ich wenigstens, wo ihre Körper verblieben sind. Eigentlich will ich das gar nicht wissen.
Verflucht! Wieso bin ich immer noch hier? Habe ich nicht schon genug durchlitten?
Meine Muskeln spannen sich, die Verzweiflung tränkt meine Sinne, meine Frustration treibt Wut, und meine Wut treibt Tränen hervor.
Kniend lasse ich mich auf den Boden fallen, schlage in das Gras hinein, blicke dem Himmel entgegen und schreie. Ich schreie all meine Gefühle hinaus. Schreie vor dem Entsetzen und meinem Unvermögen diesen Fluch auch nur eine Sekunde länger zu ertragen.
"WARUM? WAS WILLST DU VON MIR, DÄMON? WIESO HAST DU MICH HIERHER GEBRACHT?", brülle ich mit all meiner Kraft in den Himmel, mehr aus dem Grund mein Verzweifeln zu entladen, als aus der Hoffnung darauf je eine Antwort zu erhalten. Ich bin hier Gefangen und der schwarze Dämon genießt es mich zu quälen.
Als ich meinen Kopf wieder senke, um mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, entdecke ich zu allem Überfluss den offenbar toten Leib einer jungen Frau zu meiner linken Seite am Ufer liegen.
Verdreckt, und im Ufergewächs teils versteckt liegt der leblose Körper ausgestreckt halb im Wasser und halb auf dem verschlammten Boden. Es kostet mich nicht viel Zeit, um zu erkennen, dass es wieder jene schwarhaarige Frau ist, welche mich zuletzt mit ihrer Gegenwart quälte. Diesmal jedoch ist ihr Haupt ohne irgendwelche Spuren, dass es je abgetrennt worden war, an ihrem Hals verwachsen.
Im Schein des Zwielichtes erkenne ich nun zum ersten mal ihren leichenblassen Hautton. In ihre Augen wage ich es nicht zu blicken. Ihr Gesicht liegt ohnehin seitlich von mir abgewandt auf dem Boden, ebenso wie ihr gesamter Körper mit seiner Vorderseite dem schlammigen Untergrund zugewandt ist. So wie sie dort daliegt, würdelos mit einem Teil ihres Körpers vom Schlamm bedeckt, beginne ich Mitleid für sie zu empfinden. Niemand hat solch ein grausames Ende verdient. Niemand. Auch nicht ich. Doch mein Empfinden für Gerechtigkeit scheint nichts an meinen Umständen auch nur ansatzweise etwas zu verändern. Und ich naiver Idiot hatte tatsächlich geglaubt, dass ich aus dieser Hölle befreit worden wäre. Welch eine Torheit!
Es bringt jedoch nichts weiter den Dämon und sein Schattentheater zu verfluchen. Meine Gefühlsausbrüche bringen mich nicht weiter. Ich muss mich wieder besinnen. Und so wische ich mir die letzten Tränen aus dem Gesicht, nehme einen tiefen Atemzug der frischen und natürlichen Luft, richte mich auf und wende mich dem Gipfel des Hügels entgegen. Vielleicht erhalte ich weitere Anhaltspunkte, wenn ich einen besseren Überblick über das Gelände bekomme. Versuchen will ich es jedenfalls. Wer weiß, welche Überraschungen noch auf mich lauern.
Ich lasse den See und die junge Frau hinter mir, vermeide es zum Leichengebirge zu blicken und stampfe durch das satte grüne Gras hinauf. 
Etwas seltsames vermag ich während meines Aufstiegs an den Fraben des Himmels zu vernehmen. Es scheint, dass sich die grauen Wolken nach und nach auflösen, je weiter mein Blick über den Hügel sehen kann. Der Himmel, der von den Wolken verdeckt wird, ist jedoch nicht blau, sondern schwarz. Schwärzer als die Nacht. Der Übergang zwischen den Wolken und dem finsteren Himmelsteil ist fließend. Eine gewisse Furcht macht sich in meinen Eingeweiden bemerkbar. Eine Furcht vor einem neuen Schrecken. Ich weiß nicht, wie viel ich noch aushalten kann. Das, was ich bisher erlebt habe, kann ich schon kaum verarbeiten. Doch Stillstand bedeutete die ewige Gefangenschaft, vielleicht sogar meinen endgütligen Tod. Irgendetwas musste ich ja unternehmen, um wenigstens zu versuchen einen Ausweg aus diesem Labyrinth des Schreckens zu finden. Ich muss mich und meine Ängste überwinden, ich muss weiter voran schreiten!
Erleichterung kehrt ein. Ehrfurcht und nicht die Furcht ist das, was ich bei dem Panorama, das sich vor meinen Augen nun ausbreitet, empfinde. Meinen Augen möchte ich kaum trauen.
Vom Gebirge aus kopflosen Körpern zu meiner linken, bis hin zum Wald auf meiner rechten Seite, erstreckt sich ein gewaltiges schwarzes Gebilde, das sich - am Fuße des Hügels beginnend - bis in den Himmel hinauf erstreckt. Das verblüffende und zeitgleich überaus imposante daran ist die konkrete Struktur des Gebildes. Vom Himmel aus entspringen wurzelartige Gebilde, wie die Wurzeln eines Baumes, doch derart gewaltig, dass dies kein natürliches Werk sein kann. Überdies sind die Wurzeln nicht braun und hölzern, sondern wie von Feuer verkohlt. Hell in feurigem orange-gelb ziehen sich pulsierende Linien an den obskuren Wurzeln zum Zentrum des gesamten Gebildes hin, als wären es die Adern eines Lebewesens. Diese Wurzeln führen zu einer riesigen hölzernen Wand. Nein mehr noch: Es ist eine durchgängige und lückenlose Mauer, ebenso von verkohlter hölzerner Struktur und von diesen feurigen Adern durchzogen. Und inmitten dieser Mauer erstreckt zentral ein ungemein riesiges Loch, wie eine Art Portal, oder Tor, welches am direkt am Ende Hügels mündet. Eine wahrhaft atemberaubende und mächtige Gestalt, welche bei weiterem Nachdenken jedoch die Sorge säht, welche Funktion es haben könnte. So scharf und konrastreich, fast wie ein Riss in der Realität - sofern ich diesen Alptraum Realität nennen kann, grenzt es sich von allem anderen an diesem Ort ab. Ich kann nichteinmal spekulieren wohin das Tor führt, welches sich in diese abnorme Perversion eines Baumes gepflanzt hat. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich genau dort hin muss. Irgendetwas zieht mich dorthin. Ich komme nicht umhin zu denken, dass ich dort Antworten auf Fragen finden werde, die mich schon seit meiner ersten Begegnung mit dem silber-weiß gezahnten Dämon zerreissen. Wirklich befremdlich, wenn ich bedenke, dass der Anblick eher unheilvoll und furchterregend, statt einladend und willkommend ist.
Ich nehme den mir verbliebenen Mut zusammen und gehe voran, den Hügel hinunter, in den Schlund des toten Baumes hinein.

Wenig Zeit vergeht, ehe ich vor der Pforte stehe und in ein gewaltiges schwarzes Nichts hineinblicke, wie schon so oft in dieser verzerrten Realität. Wenngleich ich zaghaft bin und es nicht überstürze die Schwelle hinein zu übertreten, steht der Entschluss für mich fest, mich an diesen Ort zu begeben. Ein letztes Mal noch blicke ich zurück auf den Hügel mit seinen satten grünen Weiden, von dem ich gekommen war und erhasche ein letztes Mal noch den Anblick der zwielichten, grauweißen, regenschweren Wolken, die das Firmament bedecken. Dann konzentriere ich mich wieder auf den finsteren Pfad vor mir und schreite durch das Tor hindurch.
Meine Schritte hallen in dieser lichtlosen Schwärze wider, als würde ich eine Kathedrale betreten. Es hat keinen Sinn nach einem Orientierungspunkt für meine Bewegungen zu suchen, da ich hier ohnehin nichts sehen kann. Also verlasse ich mich auf das Echo, das durch diese unendlich scheinende Leere hallt und gehe weiter, solange ich den festen Boden unter meinen Füßen spüre.
Ich verstehe nicht, was es ist, aber irgendetwas treibt mich weiter voran, immer weiter vorwärts, hinein in die endlose Dunkelheit. Es ist so, als ob mich etwas riefe.
Nach einer Weile bleibe ich stehen und versuche einen Lichtschimmer aus der Richtung zu erhaschen, aus der ich gekommen war. Doch ich sehe nichts. Ich bin bereits zu sehr in die Dunkelheit hineingetaucht. Unwissend, ob dieser Ort nicht vielleicht sogar auch in der Lage ist die Gesetze der Physik zu beugen, und mich daher nicht sogar absichtlich in eine orientierungslose Irre führt. Vielleicht ist der Schlund dieses Baumes doch nur eine Falle und ich bin auf eine Art Lockruf hineingefallen.
Ich beschließe in die Leere hineinzurufen: "Hallo? Ist hier jemand?" und warte ab.
Wenige Sekunden später werde ich mit einer Antwort überrascht. Eine tiefe und laute Stimme ertönt, sie klingt fast wie die eines Mannes, doch unnatürlich tief, sie sagt lediglich: "Ja."
Eine Gänsehaut durchfährt mich und ich versuche hektisch auszumachen, woher diese Stimme stammt. Jedoch scheint es mir, als ertönte die Stimme aus allen Richtungen gleichzeitg, als wäre sie allgegenwärtig. So nah bei mir, aber doch nicht da.
"Wer bist du?", frage ich.
Plötzlich saust ein schmaler blauer und elastischer Streifen aus Licht vor meinen Augen durch die Luft und umkreist mich in einem rasanten Tempo, ehe er wieder im Nichts verschwindet. Ohne es laut auszusprechen, fragte ich mich leicht erschrocken, was das wohl gewesen sei.
"Ich bin der, der die Wahrheit kennt.", antwortet mir die scheinbar quellenlose Stimme.
"Welche Wahrheit?", erkundige ich mich verwundert und erwarte wieder ein Aufblitzen irgendeines ominösen Lichtes.
"Jede.", ist die knappe Antwort, welche mich nur umso mehr rätseln lässt. Doch vielleicht darf ich es wörtlich nehmen. Wenn er, oder es, tatsächlich jemand ist, der die Antworten auf meine Fragen kennt, lag ich mit meinem Gefühl hierher zu kommen richtig. 
Diesmal blitzte kein Licht durch die Finsternis.
"Dann sag mir, wo bin ich?", eine der Fragen, die mir am wichtigsten ist.
Blitze durchbrechen auf ein mal die Finsternis, dies kam wieder unerwartet. Unzählige bläuliche Lichtstreifen zischen schier planlos an mir vorbei und versammeln sich an einem Fleck, an dem sie sich zu einer Art Kugel zusammenfinden, welche zappelnd wirkt, aufgrund der vielen Bewegungen jedes einzelnen Lichtblitzes. Ich versuche zu verstehen, was es damit auf sich hat und beobachte weiter, fokussiere meine Konzentration jedoch auf die Worte der Stimme, welche kurz darauf wieder ertönt: "Du bist dort, wo die Existenz mit der Nichtexistenz zusammenfällt. Du bist da, wo alles zu Nichts wird und wo das Nichts den Anfang von Allem legt."
Ich hätte nicht so naiv sein dürfen zu hoffen, dass seine Antwort mich von meiner Verwirrung und Unwissenheit erlösen würde. Diese Antwort sorgt nur für mehr Kopfzerbrechen.
War dies eine Art Zwischenwelt? Eine Existenzdimension, welche nach dem Tod kommt? Fragen über Fragen fluten mein Gehirn, aber wenigstens ist hier nun ein Geschöpf, welches mir Antworten geben kann. Ich zügle die Ströme meiner Gedanken und stelle die nächste Frage, die mir wichtig ist:
"Wieso bin ich hier?", ich richte meine Worte an die flimmernd blaue Kugel, als würde sie die Stimme sein.

"Weil er dich hergebracht hat, um dich hier vernichten zu können. Hier bist du nur ein Opfer, eine Marionette in seinem Spiel. Du bist machtlos und deine Existenz liegt in seiner Hand."
Mit "er", meint die Stimme wahrscheinlich das dämonische Geschöpf, welches mich in diese Dimension brachte.
"Wer ist er?", frage ich und werde von einer Explosion aus Licht überrascht. Die Lichtstreifen, welche die Kugel zuvor noch darstellten, entfernen sich innerhalb weniger Sekundenbruchteile weit von mir weg, bis sie nach wenigen Augenblicken nicht mehr zu sehen sind. Doch die Stimme antwortet mir weiterhin:
"Er ist der erste Schatten. Er ist Wut, Zorn und Hass. Er ist Rache und Vergeltung. Er ist Qual und Verzweiflung. Er ist der Schlächter der Zeit, das Ende von Allem. Er ist der Moment des Sterbens, das ewig hungrige Biest, welches Löcher in Existenzen frisst. Sein Name ist Zacrolon und du bist sein Schöpfer."

Zacrolon, das ist also der Name des Dämons. Ein offenbar überaus mächtiges Wesen. Wie die Stimme ihn beschreibt stiehlt es mir die Hoffnung ihn jemals besiegen und aus dieser Verdammnis fliehen zu können. Doch ich soll sein Schöpfer sein? Ich entsinne mich, dass Zacrolon mir sagte, er sei ich und nicht sein Schöpfer. Wie soll ich das verstehen? Was hat das zu bedeuten?
"Wenn sein Name Zacrolon ist, wie ist deiner? Du scheinst mir auch ein Wesen großer Macht zu sein.", ich ahne schlechtes.
Plötzlich schossen wieder die Lichtblitze aus der Dunkelheit hervor, versammelten sich wieder an einem Fleck, diesmal jedoch vereinten sie sich nicht zu einer Kugel, sondern zappelten nach oben gerichtet vereint um einen Fleck zentriert herum, als wären sie ein Feuer.
"Veramon. Dies ist der Name, den du mir gabst. Ja, auch ich bin eine Kreatur, die du geschaffen hast."
Das Wesen wusste, was ich ahnte. Es scheint, als würden alle Dinge, die um mich herum an diesem Ort geschehen auf irgendeine unverständliche Art und Weise durch mich hervorgerufen worden zu sein. Ich beabsichtige noch nicht zu ergründen, wie genau meine Rolle in diesen abstrusen Zusammenhängen ist, sondern stelle zunächst eine weitaus wichtigere und naheliegendere Frage, die mir auch helfen würde mehr zu verstehen:
"Warum will er mich töten?"
Einige der blauen Lichtfäden begannen sich violett, fast schon rot zu verfärben und verleihen nun umso mehr den Eindruck von Feuer. Ist dies Veramons Gestalt?
Doch seine Stimme ertönt nach wie vor aus allen Richtungen gleichzeitig:
"Weil du vergessen hast."

"Was? Was habe ich vergessen?", reagiere ich spontan.
"Deinen Namen", gibt mir Veramon zu verstehen und zeitgleich verfärben sich auch die letzten blauen Streifen über ein Violett hinweg zu einem kräftigen Rot.
"Meinen Namen? Aber ich kenne doch...", ich halte inne. Ich Narr war die ganze Zeit so besessen davon zu erfahren, wo ich hier bin und weshalb ich hier bin, dass ich nicht einmal wirklich darüber nachdachte, wo ich herkam! So sehr ich mich auch anstrenge, mir will mein Name nicht einfallen! Wie kann ich bloß meinen Namen vergessen? Wie ist das geschehen? Wie ist mein Name? Wer bin ich?
Ich erinnere mich an die junge Frau, auch sie fragte mich danach, wer ich sei, doch ich konnte nicht antworten. Über eine Antwort habe ich nicht einmal nachgedacht.
Allmählich ergeben meine Hinweise ein klareres Bild. Habe ich eine Art Gedächtnisverlust erlitten? Wie kann ich vergessen jemand derart mächtiges zu sein, dass ich gar solche grausamen Kreaturen erschaffen kann? 
Veramon ergreift plötzlich das Wort: "JA! WIE KANNST DU ES NUR VERGESSEN?!"
Seine Stimme klang gewaltig laut und höchst erzürnt, die nun roten Lichststreifen wuchsen rasant in die Höhe und die Art und Weise, wie sie umherflackerten zeichnete durch den Wechsel aus Licht und Dunkelheit eine Fratze ab. Ich erschrak mich im selben Moment. Die Form des Bildnisses erinnert mich stark an Zacrolon, oder zumindest an das, was ich damals an ihm erkennen konnte. Und doch hatte es seine Eigenheiten. Es war viel schmaler und langezogener als Zacrolons Kopf. War dies das wahre Gesicht Veramons? 
"UND AUCH ICH WILL DICH TÖTEN!", schrie Veramon hinaus. Ich hätte nicht herkommen dürfen! Es war eine Falle! Ich habe es gewusst und mich dennoch hierher begeben! Ich Tor! Ich elender Narr! 
Die Leuchtfäden verwandelten sich schlagartig in wahrhaftige Flammenspitzen, ich war nah genug, um die Hitze zu spüren, die sich durch das Nichts ausbreitete.
Ich muss hier weg! Das ist mein einziger Gedanke. Ich dreh mich um und renne ziellos in die Dunkelheit, um möglichst viel Distanz zwischen mir und den Flammen Veramons zu schaffen.
Doch dann schießen plötzlich auch Flammen vor mir aus dem Boden empor und halten direkt auf mich zu. Ich weiche aus, ändere meine Richtung und wieder versperren mir emporschießende Flammen den Weg und verfolgen mich. Und wieder weiche ich aus und wieder ändere ich meine Richtung und wieder versperren mir Flammen den Weg. Es gibt kein entkommen, ich bin eingekerkert!
Ich wende mich zu meiner Rechten und sehe mehrere langgezogene, speerartige Feuerspitzen geradewegs und unaufhaltsam auf mich zuschießen.
Ich brenne.




by
Lupus Terre